Doi Tung, die Fahne im Norden von Thailand

Zwillinge in den Wolken

Doi Tung Bergrücken - über den Wolken

Doi Tung Bergrücken - über den Wolken

Wer sich in der nördlichsten Provinz von Thailand, in Chiang Rai, aufhält, sollte einen Ausflug zum Doi Tung nicht verpassen. Zum einem bekommt man die wundervolle Landschaft der Provinz zu sehen, zum anderen begibt man sich zu einer der populärsten Wallfahrtsstätten Thailands. Und so ganz nebenbei lernt man das erste erfolgreiche Projekt zur Umgestaltung der Lebensweise der Bergvölker kennen.

Aber eins nach dem anderen. 😉

Der Doi Tung

Der Doi Tung ist mit seinen 1800 Metern Höhe einer der höchsten Gipfel in Thailand. Der Name setzt sich aus Doi zu deutsch Berg und Tung für Fahne zusammen. Betrachtet man den Bergrücken vom Tal, erinnert die Form an eine Fahne im Wind. Ob der Name von dieser phantasievollen Ansicht abgeleitet wurde, ist nur eine Vermutung. Doch oftmals in Thailand, entstammen Namen solchen Gegebenheiten.

Die Treppe zum Gipfel

Die Treppe zum Gipfel

Die Berglandschaft ist geprägt von Kalkstein und Granit. Die Vegetation, vor allem über 1.100 Metern wirkt wild und lässt in einem das Gefühl aufkommen, dass der Wald und die gesamte Natur des Berges stärker ist, als die Menschen welche auf diesem Berg seit Jahrzehnten leben. Vor allem die steilen Hänge erwecken den Eindruck, dass der Berg trotz aller Umwelteinflüsse, seine Macht auf die Menschen ausübt.
Als wir den Berg hinauffuhren, im September – inmitten der Regenzeit, mussten wir immer wieder an abgestürzten Strassenteilen der bereits engen Fahrbahn vorbei. Links das tiefliegende Tal und rechts von uns die üppige Vegetation, welche direkt über unseren Köpfen hing. Hinzu kam das die Strasse so steil und eng anstieg, dass ich immer wieder in den ersten Gang zurückschalten musste. Sehr mystisch erwies sich auch das Wetter, denn die Wolken hingen so tief im Berg, dass wir zwischen Nebel und Sonnenschein nach jeder Kurve wechselten. Wir fuhren in den Wolken.

Nach 22 km erreichten wir schließlich den Tempel Doi Tung, eine Tempelanlage am Fuße des Gipfels, welche einen goldenen Chedi beherbergt, der zu den beiden Zwillings - Chedi auf dem Gipfel des Doi Tung identisch ist.

Wir wollten jedoch auf den Gipfel, den bekannten und berühmten Wallfahrtsort erkunden. Deshalb folgten wir der immer enger werdenden Straße und erreichten schon bald die Treppe zum Aufgang, welche von einer riesigen Naga bewacht wird. Am oberen Ende der Treppe ist man aber immer noch nicht am Ziel, denn nun folgt man einem Weg, welcher links und rechts mit großen Glocken eingerahmt ist. Es müssten so ungefähr 400 Glocken sein, welche das letzte Stück zum Gipfel säumen.
Man stelle sich einen thailändischen Feiertag vor, einen Tag an dem viele Thai den Doi Tung besuchen und jeder läutet eine der Glocken an seiner Seite; ich denke das Läuten hört man bis nach Burma hinein.

Die letzten Meter zum Gipfel

Raues Gestein im Geisterwald

Raues Gestein im Geisterwald

Wer jedoch die Treppen zu den beiden Chedi nicht hinaufsteigen möchte, kann dem Weg außen herum folgen. Dieser Weg ist ein Erlebnis für sich, den man hofft das einem kein Fahrzeug entgegenkommt, so eng ist der Pass hinauf gebaut. Der Belag der Strasse bricht zum Tal hin weg, die Äste der Bäume hängen nur wenige Zentimeter über dem Asphalt und der erste Gang des Fahrzeuges schafft es gerade noch die Steigung zu überwinden.

Die letzte Kurve, der letzte Anstieg und plötzlich ist es flach und die Straße ist breit und bietet ausreichend Platz das Fahrzeug zu parken. Eine große ebene Fläche, sofern man von Ebene sprechen kann, breitet sich vor uns aus und links davon ist ein Waldstück welches viele kleine und grosse Statuen buddhistischer Götter und Geister beinhaltet. Geisterhäuschen, Buddhastatue, Engel und Götzen aber auch Figuren von Tieren sind darin versammelt.
Das ganze erscheint auf Grund der rauen Felsen, zwischen denen die Figuren platziert sind, sehr unheimlich. Es wurde sogar ein Schild angebracht, dass man diesen Ort betreten darf und nichts zu fürchten hat. Das ist an dieser Stelle sicherlich notwendig, da die Thai sehr abergläubisch sind und Geister in ihrer realen Welt durchaus immer gegenwärtig sind.

Die Chedi auf dem Doi Tung

Nach nur wenigen Metern betritt man den Wallfahrtsort Doi Tung. Eine kleine Anlage mit zwei kleinen goldenen Chedi in deren Mittelpunkt. Gleich daneben befindet sich der Vihran, das Gebetshaus. Ein kleiner, unscheinbarer Glockenturm steht im Verbund mit dem Viharn und den beiden Chedi und rundet aber das Bild eines Tempels ab. Große Buddha Statuen blicken auf die Gebäude und bilden den Rahmen zu diesem Wallfahrtsort.

Die ersten buddhistischen Artefakte wurden bereits im Jahre 911 auf den Gipfel hinterlegt. Entlegene Berggipfel wurden und werden auch heute noch bevorzugt, weil die Einsamkeit die Konzentration und Meditation der Mönche fördert. Das meditieren in entlegenen Gegenden, lässt den Mönch näher an Buddha herankommen. Buddhas Weg zu folgen wird mit dem entbehren jeglichen Komforts gleichgesetzt, und schon so mancher Mönch kam in dem Glauben nun ebenfalls erleuchtet zu sein aus den Bergen zurück.
Die Menschen folgen später den Mönchen an solch heilige Plätze und im Falle des Doi Tung hat sich dieser Mythos über 1.000 Jahre gehalten.

Nachdem wir den Berg mit dem Motorrad gerade so bezwungen hatten, glaube auch ich an die spirituelle Macht, die der Doi Tung auf einen Einsiedler und Eremiten ausüben kann. Noch vor 100 Jahren war ein Besuch des Berges nur mit erheblichen Aufwand und vielen Entbehrungen möglich. Es musste schon ein besonderes Gefühl sein, wenn man damals den Berg bezwungen hatte.

Das Leben auf dem Doi Tung

Doch nicht nur diese beiden Chedi und die Tempelanlage beherrschen den Mythos Doi Tung. Schon seit Jahrhunderten leben Menschen in diesem rauen Gebirge. Meist findet man Akha Bergstämme aber auch Lahu und Karen in dieser Gegend. Es wäre falsch anzunehmen, dass dieser Berg das Ideal für diese Völker sei, doch da die Thai Siedler die Ebenen und Täler in Anspruch nahmen, wichen die später zugewanderten Bergstämme in die Berge aus. Zum einem entsprach die Vegetation ihren ursprünglichen Gebieten, und zum anderen konnten sie Konflikte mit den Thai vermeiden.
Da das Gebiet nur sehr schwer zu erreichen war, konnten diese Völker ihren traditionellen Opiumanbau betreiben, ohne die thailändischen Behörden zu fürchten. Im übrigen liegt der Doi Tung in dem bekannten und berüchtigten Goldenen Dreieck, was wiederum sehr kurze Transportwege bedeutete. Der Opiumhandel blühte für die Bergvölker über die letzten einhundert Jahre und so wurde der Doi Tung immer mehr von den Hilltribes bevölkert.

Als in den Sechziger Jahren, die thailändische Regierung versuchte den Opiumanbau zu unterdrücken, kam es in diesem Gebiet zu einer massiven Abholzung der Wälder. Die Brandrodung sollte neue Felder für die Bergbewohner erschaffen. Doch diese Form der Bewirtschaftung lies das Grundwasser und die natürlichen Quellen versiegen. Die Gegend war vom austrocknen bedroht und die thailändische Regierung bildetet Wasserreservoirs um den Farmern in den Tälern zu helfen. Die Bergstämme aber mussten weiterhin die Berghänge roden um immer wieder neues, fruchtbares Land bestellen zu können. Das führte zu immer grösseren Problem, auch mit den Thai im Norden.

Im Jahr 1986 forderte der Leiter der 31. Watershed Conservation Unit des Royal Forest Department eine Stiftung zur Lösung der Probleme der Entwaldung.
Diese Stiftung sollte verhindern, dass die Menschen vor Ort weiterhin die Brandrodung betreiben um damit für ihr Überleben auf dem Doi Tung sorgten.

Zur gleichen Zeit suchte die königliche Familie einen geeigneten Ort für Rajawongse Disnadda Diskul, die Mutter der Königin. Die Königin Mutter sollte mit 90 Jahren ihren Ruhesitz in Thailand haben, und nicht mehr zwischen Thailand und der Schweiz pendeln.

Sie hörte von der Forderung und den Problemen im Norden und beschloss dem Doi Tung einen Besuch abzustatten. Es stellte sich heraus, das der Doi Tung der ideale klimatische Ort für die Königin Mutter sei und das sie sich hier ausserdem mit der Aufgabe des Aufbau der Vegetation beschäftigen könnte.

Ihre Mission war es sicherzustellen, dass die Menschen auf dem Doi Tung selbstständig in der Lage sind, den Prozess der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung als verantwortungsbewusste Bürger, inmitten einer sich stetig weiterentwickelnden globalisierten Welt zu steuern, ohne dabei die Umwelt oder ihre eigenen kulturellen Werte zu zerstören.

Sogleich wurde mit dem Projekt begonnen, und die Königin Mutter setzte von Anfang an ihre Aufmerksamkeit auf die Bergvölker.

Teeprobe auf dem Doi Tung

Teeprobe auf dem Doi Tung

Es wurden neue Wege und Möglichkeiten der Pflanzungen eingeführt. So gibt es Heute auf dem Doi Tung Macadamia Nüsse, Kaffee, Tee und eine Vielzahl von Pflanzen und Blumen.

Damit der Ertrag ebenfalls auf dem Doi Tung bleibt wurden Betriebe zur Teeproduktion und Kaffeeröstung eröffnet, aber auch Keramik Fabriken und eine Mulberry Papierfabrik. Papier welches aus der Rinde des Maulbeerbaum erstellt wird, ist ökologisch unbedenklich, da der Baum nicht zerstört wird.

Wenn Sie auf einer Ihrer Touren in einem Kaffeehaus Doi Tung Kaffee serviert bekommen, wissen Sie das dieser Kaffee aus dem Projekt der Königin Mutter stammt.

Doch nicht nur ein neuer Weg der Landbearbeitung sollte den Bergstämmen helfen in das 20. Jahrhundert zu kommen, es musste auch etwas gegen die Drogenabhängigkeit getan werden. Denn während der vielen Jahre des Opiumanbaus, waren eine grosse Anzahl der männlichen Bergbewohner von dem stetigen Opiumkonsum gekennzeichnet.
So wurde im Jahre 1992 das Pha Mee Drug Treatment und Rehabilitations Zentrum eröffnet, um eine 1.000 Tage Behandlung für alle Drogenabhängigen auf dem Doi Tung und der Umgebung zu bieten. Im Rahmen des Programms wird ex-Süchtigen eine berufliche Weiterbildung angeboten, um ihnen die Möglichkeit zu geben sich der Gesellschaft als aktive und produktive Bürger anzuschließen.

Man sieht hier ein sehr gutes Beispiel für den Einsatz der königlichen Familie, und gerade wegen solcher Initiativen ist die königliche Familie so beliebt bei der thailändischen Bevölkerung.

Natürlich kann man auf dem Doi Tung den Palast der Königin Mutter, Rajawongse Disnadda Diskul besuchen, doch dieser Palast sowie die gesamte Anlage sind es wert einen weiteren Bericht darüber zu verfassen.

Ein heftiger Regenschauer ermöglichte und nochmals zu kommen ;-)

Ein heftiger Regenschauer ermöglichte und nochmals zu kommen 😉

Wir beschlossen, nachdem uns der Regen überrascht hatte, den Besuch im Mae Fah Luang Palast zu verschieben. Das ist nicht weiter tragisch, denn wir waren so beeindruckt von der Schönheit des Doi Tung, dass wir gerne ein andermal wieder kommen möchten.

Doch für alle, welche nicht in Thailand leben, soviel können wir schon verraten, es ist ein besonderes Erlebnis den Doi Tung und den Königspalast Mae Fah Luang zu besuchen. Ein Tagesausflug der bestimmt in Ihrer Erinnerung bleiben wird.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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