Ausflug nach Lamphun

Lamphun – Das vergessene Reich

Lamphun, idyllisch und verschlafen

Lamphun, idyllisch und verschlafen

Nur etwa 30 Minuten Fahrzeit von Chiang Mai entfernt liegt die Stadt Lamphun. Eingebettet zwischen den mächtig klingenden Städten Lampang und Chiang Mai scheint Lamphun kaum wahrnehmbar. Dennoch hat diese freundlich wirkende Provinzhauptstadt eine durchaus interessante Geschichte und wer die Stadt besucht wird überrascht sein wie relaxed und angenehm es sein kann auf diesen geschichtlichen Spuren zu wandern.

Die überschaubare Größe der Innenstadt macht einen Besuch der Stadt noch angenehmer, weil man viele Orte zu Fuss erreichen kann. Wer dennoch lieber eine Stadtrundfahrt unternehmen möchte hat die Möglichkeit für 200.- Baht in einem City – Sightseeing Bus neun Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Da es sich bei dem Preis um eine Art Tagesticket handelt, ist man zeitlich nicht an die Abfahrten des Buses gebunden, denn mehrere Busse fahren auf der gleichen Route, so dass man immer wieder in eines der nächsten Shuttle einsteigen kann.

Wir haben die Stadt jedoch mit dem Motorrad besucht, denn wir wollten uns zunächst nur einen Überblick über Lamphun verschaffen, und hatten außerdem vor einen Eindruck aus dem Umland mit nach Hause zu nehmen.

Die Stadt Lamphun

Der ursprüngliche Name der Stadt Lamphun lautet „Lamphun Nakorn Haripunchai“. Die Stadt wurde im Jahre 661 gegründet und war für viele Jahre die Hauptstadt des Haripunchai Königreichs der Mon.
Lamphun ist eine der ältesten Städte Nordthailands und wurde erst im 13. Jahrhundert von König Mengrei erobert (Thailands Geschichte – Teil I ) und in das Lanna Reich eingegliedert.
Die Mon gehören zu den ältesten bekannten Bewohnern Nord Thailands. Haripunchai war eines der Königreiche des Mon Volkes.
Das Reich um Lamphun wurde durch einen Mon-Herrscher aus der Gegend von Lopburi, welches seinerzeit Lavo hies, gegründet. Er sandte seine Tochter Chamadevi nach Lamphun, um erste Königin in Haripunchai zu werden.
Zu jener Zeit war der größte Bereich des heutigen Zentral-Thailand in der Hand einiger Mon-Königreiche, die als Dvaravati-Reich zusammengefasst werden.

Die Legende um Königin Chamadevi

Legende um Königin Chamadevi

Im Kon Gesang wird die Legende um Königin Chamadevi beschrieben. Darin wurde sie von einem Einsiedler in einer Lotosblüte gefunden. Der Einsiedler zog sie auf, beschützte sie und sorgte für ihre Ausbildung, bevor er sie nach Lopburi sandte, um die Vervollständigung ihrer Ausbildung zu erhalten. Während ihres Aufenthalts am Hofe des Lavo Reiches, wurde sie schwanger und beschloss zurück nach Haripunchei umzusiedeln, wo sie mit Erlaubnis des Königs von Lavo die erste Königin des Haripunchei Reiches wurde.
Kurz nach ihrer Ankunft gebar sie Zwillinge, welche die Erbfolge sicherten. Das war sehr günstig, da ihr einige Mon aus der nördlichen Gegend nicht besonders wohlgesinnt waren.
Insbesondere der Herrscher der Mon-Lawa, König Luang Viranga, welcher in der Nähe des Doi Suthep sein Reich hatte, fühlte sich zurückgestoßen, weil sie seinen Heiratsantrag abwies oder ihn zumindest eine Zeit lang mit einer Antwort hinhielt.
Dann jedoch musste sie sich den militärischen Verhältnissen fügen und einigte sich mit König Viranga auf eine Wette:
Wenn er seinen Speer vom Doi Suthep in ihre von Wällen umgebene Stadt werfen könne, so würde sie ihn heiraten. Dies war eine große Herausforderung, insofern der Gipfel des Doi Suthep mehr als 20 km von Hariphunchei entfernt lag. König Luang Viranga warf den Speer bis kurz vor die Mauern des Reiches. Aus Angst der König könnte erfolgreich sein, sandte ihm Chamadevi einen Hut welcher aus ihrem mit Menstruationsblut befleckten Unterkleid gefertigt wurde. Viranga war hocherfreut über das Geschenk, zeigte es doch die Wertschätzung, die ihm die Königin erwies, und setzte den Hut auf.
Sein zweiter Speerwurf missglückte und landete direkt vor seinen Füssen. König Viranga erkannte nun den wahren Charakter des Geschenks. Das Geschenk war eine Täuschung und beraubte ihn aller seiner Kräfte. Dennoch wagte er einen dritten Versuch und schleuderte den Speer senkrecht in die Höhe, der Speer fiel zurück zur Erde und traf ihn tödlich in der Brust.

Chamadevi konnte nun ihr Reich wachsen sehen und wurde 80 Jahre alt.

Im Alter von 60 Jahren zog sich Chamadevi aus den politischen Geschäfte zurück und übergab den Thron an ihren Erstgeborenen. Die Königin zog in den Tempel Ku Kut. Als sie starb wurde ihr zu Ehren der Mahapol Chedi, auch Suwan Chang Kot Chedi erbaut und ihre Überreste darin aufbewahrt.

Wat Chamadevi ehemals Ku Kut Tempel

Der Mahapol Chedi ist eines der letzten Beispiele der Mon Architektur der Dvaravati Periode. Der Chedi ist ein schlanker, 21 Meter hoher, fünfstufiger, pyramidenförmiger Turmbau mit quadratischem Grundriss. Das Baumaterial waren Ziegel- und Laterit Steine, welche mit Stuck verziert wurden.
Auf jeder Stufe befinden sich Nischen in welche Buddha Statuen zu sehen sind. Die breite Stirn der Statuen ist typisch für Figuren aus der Dvaravati Zeit.
Der Mahapol Chedi diente als Vorlage für ähnliche Bauten, auch im Lanna Reich.

Die Wandmalereien im Hauptgebäude des Tempels (Virhan) zeigen Szenen aus dem Leben der Königin Chamadevi.

Der Ku Kut Tempel wurde 1920 offiziell nach der Königin umbenannt und trägt seither den Namen Wat Chamadevi.

Haripunchei Tempel und ehemaliger Königspalast

Die wohl beeindruckendste Tempelanlage in Lamphun ist der ehemalige Königspalast Haripunchai.
Der Tempel liegt direkt an den Ufern des Ping Flusses und beherbergt einen golden Chedi dessen Schirm auf der Spitze mit 68 kg Gold verziert sein soll.
Der Phra Maha That Chedi ist heute 46 Meter hoch. Dabei war dieses Gebäude ursprünglich nur ein 4 Meter hoher Reliquienschrein. Der Schrein war nach allen vier Seiten offen und sein Dach wurde von vier Säulen getragen.
Im 13. Jahrhundert wurde eine etwa acht Meter hoher Chedi darum herum gebaut. Die heutige Höhe des Chedi wurde 1448 von König Tilokarat errichtet. Letztlich ließ König Kawila zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Zeremonien-Schirme an den vier Ecken sowie den neunstufigen Schirm, oben an der Spitze hinzufügen.

Der Glockenturm beherbergt einen 2 Meter grossen Gong, welcher aus dem Jahre 1864 stammte und zu dieser Zeit der grösste Gong Thailands und möglicherweise der grösste GongWeltweit war.

Die Tempelanlage wird immer noch für alle offiziellen Veranstaltungen der Stadt genutzt und ist deshalb die erste Anlaufstation für Besucher. Von dieser Tempelanlage aus kann man sehr einfach die Eingangs erwähnte Stadtrundfahrt buchen.

Khu Chang und Khu Ma Denkmal

Im Norden der Stadt, liegt das Khu Chang und Khu Ma Denkmal. Dieses Denkmal wurde zu Ehren des königlichen Kriegselefanten und als Grabstätte des Streittrosses des Königssohnes erbaut.

Wir sind schon an einigen Plätzen und Orten in Thailand gewesen, haben aber noch nie ein solches Denkmal besucht. Nun auf Grund der geringen Entfernungen in Lamphun ist es kein Problem einen Ausflug zu solch einer Grabstätte zu unternehmen.

Kuh Chang ist eine Stupa welche die Überreste des Kriegselefanten von König Phranang Chammathewi enthält. Den Überlieferungen zu Folge hatte der Elefant eine sehr dunkle Haut und grün leuchtende Stoßzähne. Der Elefant soll der grösste und mächtigste Elefant des Heeres gewesen sein. In der kleineren Stupa dahinter sind die Reliquien des Kampf Pferdes eingemauert. Das Pferd wurde vom Sohn des Herrschers benutzt.

Wir hatten Glück, den wir besuchten das Denkmal etwa um die Mittagszeit. Die beiden Stupas sind von Hohen, kräftigen Bäumen umgeben welche den Rahmen zu dieser kleinen Parkanlage bilden. Das ermöglichte uns für eine gewisse Zeit der Hitze zu entfliehen. Der Wind kühlte den Ort angenehm ab und so hat sich der Ausflug an die Grabstätten wirklich ausgezahlt.

Das National Museum von Haripunchei

Um dennoch nicht in der Nachmittagshitze umherwandern zu müssen, beschlossen wir nun das Nationalmuseum in Lamphun zu besuchen. Eigentlich waren wir ja schon direkt daneben, denn das Museum liegt am hinteren Ende des Haripunchei Tempels, doch wir wollten vorerst noch andere Dinge besichtigen.

Das Museum zeigt ausführlich die Geschichte der Stadt und des Reiches. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wenn wir alles dort beschriebene wiedergeben würden, deshalb empfehlen wir an dieser Stelle, jedem Besucher von Lamphun etwa zwei Stunden für dieses attraktive Museum einzuplanen.

Hier nunmehr eine kurze Zusammenfassung was den Besucher erwartet.

Ein Sema Stein oder heiliger Grenzstein

Ein Sema Stein oder heiliger Grenzstein

Das Haripunchei Nationalmuseum beherbergt verschiedene Objekte, Steininschriften, Skulpturen, Bilder und Kunstwerke, welche die Kultur, Traditionen, Bräuche und Lebensweisen von den Menschen während der Haripunchei Periode zeigen.
Zu den wohl interessantesten Objekte im Inneren des Museums gehören die vielen Buddha Skulpturen, welche während der unterschiedlichen Kunstepochen geformt wurden.
Herausragend unter diesen Skulpturen, sind die Figuren welche während der Lanna Epoche und der Dvaravati Periode geformt wurden.
Man findet aber auch andere Artefakte, wie etwa mehrere alte graviert Sema Steine, alte Manuskripte und frühe Inschriften. Antike Möbel und Gefässe aus Gold und Silber runden das historische Bild über das Haripunchei Reich ab.

Sema Steine

Als Sema Steine bezeichnet man flache Steine mit Inschriften, welche den geheiligten Bereichs eines Tempels markieren.
Die einzelnen Teile der Form der Bai Sema, die einem Blatt ähnelt, werden in Thailand nach Körperteilen benannt. So gibt es den „Hals“, die „Schultern“, die „Brust“, die „Hüften“ und den „Bauch“.
Sema Steine aus der Dvaravati-Zeit (etwa 6. bis 9. Jahrhundert A.D.), bestehen hauptsächlich aus „Schultern“.

Der Bericht über Lamphun ist noch nicht zu Ende. Lesen Sie in den nächsten Tagen was das Umland von Lamphun für Überraschungen in sich birgt.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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2 Antworten auf Ausflug nach Lamphun

  1. vodisek john sagt:

    habe ein haus in der selben strasse und wohne als rentner seit 3 monaten hier. kenne das khu chang denkmal natürlich fand aber den rest ihrer doku spitze und werde jetzt alles erkunden. danke für den schönen bericht. gruss john

    • JoJo sagt:

      Hallo,
      leider sollte ich Lamphun einmal wieder besuchen um noch mehr über die Stadt zu erfahren. Ich denke die Stadt ist bestimmt lebenswert auch schon wegen ihrer Nähe zu Chiang Mai.

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