Hochwasser 2011 in Thailand und das Krisenmanagement

Seit August 2011 sind große Teile des Landes überschwemmt

Flut in Thailand

Flut in Thailand

Folgt man den Meldungen und den Berichten der Presse in Thailand aber auch der internationalen Presse, versinken östliche Gebiete von Thailand schon seit Juli in den anschwellenden Flüssen. Einige private Webseiten zeigten bereits zu dieser Zeit schon Photos des Chaos in den Provinzen.

Neben den Provinzen im Nordosten des Landes, wurden weite Teile um Sukhothai, Trat, Pitsanoluk und Kampeng Pet überschwemmt. Etwas später des Jahres kamen Meldungen aus dem Norden von Thailand hinzu. Diese Hochwassermeldungen beschränkten sich auf die Städte Chiang Mai, Lamphun und Lampang. Dennoch sind diese Meldungen ein weiterer wegweisender Indikator, wie sich der Verlauf des Wassers entwickeln würde.

Kurz danach erschienen die ersten hysterischen Meldungen, welche Nakhon Sawan und Ayutthaya in den Fluten untergehen leisen. Fast gleichzeitig dazu meldete sich erstmals die Regierung öffentlich, indem die Regierung bekannt gab, dass diese nun das Krisenmanagement selbst in die Hand nehmen würde.

Das Chaos nimmt seinen Lauf

Nun überschlugen sich die Pressemeldungen. Zum einem weil die Wassermassen nicht zu stoppen waren, zum anderen weil jedes Mitglied der Regierung eigenverantwortlich (oder sollten wir sagen – eigensinnig) gewisse Initiativen ergriff, welche meist nur auf erfolgversprechenden Vermutungen basiert sind. Fast alle dieser vermutlich erfolgversprechenden Initiativen sind kläglich gescheitert, oder besser gesagt in den Fluten versunken.

Seit Oktober informiert uns unser Facebook und Blogger Freund Markus ThaiLive täglich mit mehreren Post über die Hochwasserkatastrophe in Thailand. Markus muss schon einen geschwollenen Zeigefinger haben, bei all den vielen Links, welche er uns Dank seiner Recherchen zur Verfügung stellt. Hier nun ein grosses Lob an Markus ThaiLive für seine vorbildliche und ausführliche Arbeit und Initiative.

Falschmeldungen

Nun, zu der Flut in Thailand kommt dann noch das Ego der neuen politischen Macht in Thailand. Mal brechen Dämme, in der nächsten Meldung hält der Damm, dann wird das Wasser um Bangkok herum umgeleitet, während in der nächsten Meldung die Bewohner aufgefordert werden ihr Hab und Gut an höher gelegene Stellen zu bringen. Die Bevölkerung ist sichtlich verunsichert. Das Thai TV berichtet von Auseinandersetzungen einzelner Bezirke und deren Einwohner. In einem Interview hatte ein Politiker (leider kann ich mich an den Namen nicht erinnern, aber er steht sowieso nur stellvertretend für alle anderen politischen ?Fachkräfte?) eine weitere Idee, wie er die Fluten aus seinem Bezirk halten könne. Ich zitiere:

„Ich weiß nicht ob es funktionieren wird, aber einen Versuch ist es dennoch wert.“

Solch eine Aussage im thailändischen Fernsehen mag wohl kämpferisch und beeindruckend klingen, zeigt aber auch deutlich wie planlos die offiziellen Stellen reagieren.
Kurz danach gab dann die Regierung erstmals öffentlich zu einige Fehler bei der Bekämpfung der Katastrophe gemacht zu haben. Dabei sah man dann in weiteren Sendungen des Thai TV, wie Premierministerin Yingluck Shinawatra mit bestürzter Miene und weinerlicher Stimme zur Solidarität innerhalb der Bevölkerung aufrief.

Was hätte von Seiten der Regierung im Vorfeld unternommen werden können?

Es wäre falsch der derzeitigen Regierung die alleinige Schuld an der Katastrophe zu geben. Denn seit vielen Jahren sind die jährliche Überschwemmungen in weiten Gebieten von Thailand ein politisches Thema, aber eben nur ein Thema und keine Aufgabe.
Dennoch muss sich die jetzige Regierung die totale Fehleinschätzung der Situation eingestehen und ans Brett schreiben, dass sie ein rechtzeitiges Handeln versäumt hat.

Während im Isaan die Reisernte zum grössten Teil vernichtet wurde, war die Regierungspartei damit beschäftigt den staatlichen Reispreis festzulegen. Dieses durchaus wichtige Thema wurde wochenlang im Kabine behandelt (wir haben bereits darüber berichtet). Schliesslich, nachdem im Isaan die Bauern auf den grössten Teil ihrer Ernte, wegen der andauernden Regenfälle und der daraus resultierenden Überschwemmungen, verzichten mussten kamen die Preisgarantien und eine Entschädigungszahlung an die Bauern in die Presse. Immerhin, die Regierung zeigt damit, dass sie sich der Situation im Land bewusst war.

Weite Teile des Landes stehen unter Wasser

Weite Teile des Landes stehen unter Wasser

Leider war sonst nicht viel von Seiten des Parlaments bezüglich der Hochwasser Situation zu vernehmen. Stattdessen waren die weitaus wichtigeren Themen, die Zusammensetzung des Kabinett, die Erhöhung der Gehälter (bei den Staatsgehältern waren sich alle schnell einig), und wie kann man den ehemaligen Premierminister und Bruder von Yingluck, Thaksin Shinawatra zurück nach Thailand holen (diese Frage muss nun wahrscheinlich doch etwas nach hinten verschoben werden). Während diesen Diskussionsreichen Wochen erreichte das Wasser schliesslich Nakhon Sawan und nur wenige Tage später Ayutthaya. Die Bevölkerung wurde aktiv und erkannte sehr schnell, dass es sehr eng wird und das das Wasser wohl neue Rekordmarken erreichen würde. Die thailändischen Parlamentarier erwachten zu dieser Zeit aus einer Ruhepause zwischen den Mahlzeiten und begannen die über Jahre zuvor gemachten Fehler zu diskutieren und anderen die Schuld zu geben. Die gegenwärtige Situation schien wohl am Parlament vorbei geschwommen zu sein.

Bis schliesslich die Meldung vom Dammbruch in Phatum Thani (auch hierüber gibt es einen Bericht) über die TV Kanäle kam. Nun war es an der Zeit die Situation für sich zu nutzen. Nein nicht für die aktuelle Partei, jeder Politiker in Amt und Würden für sich verkündete Verhaltensweisen und Warnungen oder Entwarnungen. So genau kann ich das nicht mehr wiedergeben, weil die Politiker selbst wahrscheinlich gar nicht wussten zu welchem Wasserstand sie sich äußerten.

Der Kampf um Bangkok

Was wahrscheinlich jeder im Land wusste – das Hochwasser bedroht nun die Metropole, die Hauptstadt, das wichtigste Handelszentrum in Thailand. Bangkok, die Stadt der Engel droht unter zugehen.

Nun, Geduld gehört eigentlich zu den Stärken der Thai, deshalb vermute ich einmal, dass die thailändischen Politiker zu lange im Ausland waren um sich diese Eigenschaft anzueignen. Denn während der eine verkündete Bangkok habe nichts zu befürchten, übertraf die nächste Meldung eines anderen Politikers die Aussage des ersten bei weitem. „Bangkok muss zum Teil evakuiert werden“! Seither kommen die Meldungen im Stundenrhythmus, und dadurch hat es den Anschein, dass die thailändischen Politiker wirklich besorgt sind. Medienreiche Stippvisiten in den betroffenen Gebieten, Hemdsärmelig und mit umgekrempelten Hosenbeinen dokumentieren den unermüdlichen Einsatz der politischen Elite des Landes. Leider ein bisschen zu späht für meine Begriffe. Aber vielleicht haben die politischen Führer erst Wochen nach der Beginn der Katastrophe herausgefunden, dass wenn sie jetzt nicht irgendwelche Handlungen einleiten, wird das Volk bitterböse reagieren. Sie könnten nicht mehr gewählt werden, oder schlimmer noch, es könnte zu einer erneuten Revolte kommen. Aber am schlimmsten dabei wäre dann, dass die Politiker ihre Geldbeutel nicht mehr füllen könnten. So musste wohl die Devise ausgegeben werden, dass jeder irgendwas unternehmen muss, um den Ruf der so beliebten Phua Thai Partei nicht zu schädigen.

Mir scheint es, dass das nicht gelungen ist. Die Handlungen der Politiker haben das Volk verunsichert. Selbst der sonst so zielsichere Ex-Premierminister Thaksin, lies aus dem Exil verlauten, die Regierung solle doch nun endlich offiziell die Hilfe der Armee einfordern.
Und schliesslich meldete sich die starke Frau im Lande mit dem Aufruf zur Solidarität.

Ist Yingluck tatsächlich nur eine Marionette von Thaksin?

Dabei hat sich das Volk längst solidarisiert. Während der Aug Pansa Feiertage wurden Spenden für die Opfer gesammelt. Auch danach gab es noch weitere Spendenaufrufe, Versteigerungen zu Gunsten der Flutopfer und noch vieles mehr. Selbst im thailändischen Fernsehen gibt es seit längerem regelmäßig Einblendungen wohin man Geld spenden kann.
Die bisher so überlegen wirkende Frau Yingluck ist nun zum ersten Mal mit einer Situation konfrontiert, welche nicht wie bei einem Schachspiel zu planen ist. Sie muss schnell und sicher reagieren.

Es scheint die Opposition hat recht mit ihrer Behauptung, wobei jede Aktion von Yingluck von ihrem Bruder Thaksin geplant wird. Während der Hochwasserkatastrophe scheint wohl nicht genug Vorbereitungszeit vorhanden zu sein. Und schon verliert die sonst so klug wirkende Frau ihre Überlegenheit. Oder hat sie im Parlament nur die falschen, prestigeträchtigen Parteimitglieder zum handeln aufgefordert?

Beten und Solidarität soll es nun richten! Oct_14_mundanebangkok.wordpress.com

Beten und Solidarität soll es nun richten! Oct_14_mundanebangkok.wordpress.com

Hätte Yingluck schon vor Wochen auf die ausländische Presse gehört, hätte sie einige politisch unabhängige Berater ins Boot geholt. Ob Fachleute aus New Orleans, Dresden oder von Australien, diese Informationen wären wertvoller gewesen, als jedes andere Gedankenspiel ihrer Parlamentsmitglieder. Stattdessen wurden solche Aufforderungen und Angebote mit dem lapidaren Satz abgetan:

„Dies ist Thailand und in Thailand sind die Verhältnisse anders.“

Richtig Frau Präsidentin, doch das Wasser fließt immer zu der tiefsten Stelle, ob in Thailand oder sonst wo auf der Welt. Aber wahrscheinlich haben sie das ja schon selbst herausgefunden.

Quellen:

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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