Yingluck und die Feministinnen

Yingluck, Thailands mächtigste Frau, ist sie auch Feministin?

Supatra Masadit

Supatra Masadit war die erste Thai Frau welche für das Amt der Premierministerin kandidierte

Im Jahre 1932 änderte Thailand seine Staatsform und wurde eine konstitutionelle Monarchie. Aber es dauerte 79 Jahre bis eine Frau das höchste politische Amt ausführen durfte.
Dabei ist es nicht das erste mal das eine Frau politisch in den Vordergrund trat. Vor bereits 15 Jahren hatten die Demokraten mit Frau Supatra Masadit eine Kandidatin in den Wahlkampf um den Ministerpräsidenten Posten geschickt. Auch Sie wurde damals gefragt ob sie eine Feministin sei, und Supatra tat sich schwer bei dieser Antwort, blieb dabei aber realistisch und antwortete:

"Dies ist eine Männer Welt und ohne die Männer ist es schwer etwas zu verändern."

Supatra konnte sich in dieser Männerwelt nicht durchsetzten, sie wurde trotz ihrem hervorragenden politischen Engagement nicht zur Ministerpräsidentin gewählt.

Heute 15 Jahre später scheint das ein bisschen anders zu sein. Wie aus dem Nichts tauchte die jüngere Schwester von Thaksin Shinawatra drei Monate vor der Wahl auf. Plötzlich war Yingluck Shinawatra die Top Kandidatin der Phuea Thai Partei. Für den Rest des Wahlkampfes absolvierte sie die Wahlkampagnen wie auf dem Laufsteg. Fehlerfrei und elegant, dabei stets beobachtet von der Opposition, der Presse und dem Volk. Sie überraschte mit ihrem Auftreten alle, und allen voran die Demokraten, welche ihr wohl auf Grund dass sie eine Frau ist, keine Chance einzuräumen schienen.

Glückliche Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra

Glückliche Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra

Dabei ist Yingluck Shinawatra eine erfolgreiche, hübsche und moderne Karriere Frau und man sollte annehmen, dass die weibliche Thai Bevölkerung stolz auf ihre nationale Führerin sein könnten. Und unter den 15.7 Millionen Thais welche für die Phuea Thai Partei ihre Stimme gaben, waren mit Sicherheit einige Frauen welche Frau Yingluck wählten.
Doch eine Gruppe von Frauen machten es klar und deutlich, dass sie keine Bewunderer von Yingluck sind. Bereits am 5. Juli, drei Tage nach der Wahl, postet die Asia Pacific News einen Artikel mit dem Titel „Thailands erste Ministerpräsidentin ist kein Sieg der Feministinnen“. In dem Artikel wurde Sutada Mekrungruengkul, Direktorin des Gender and Development Research Institute (GDRI) von Thailand folgendermaßen zitiert:

"Wieso sollten wir stolz sein, die ganze Welt weiss es geht um Thaksin. Würde man Yingluck mit Aung San Suu Kyi vergleichen. Auung San Suu Kyi ist seit 20 Jahren politisch aktiv und kämpft um humanitäre Rechte, aber bis Heute ist sie immer noch keine Premierministerin".

Als sei es der Fehler von Yingluck, dass sie so einfach, ohne Erfahrung und ohne Hausarrest an die politische Macht kam. Dabei ist es fast politische Tradition, das Ehefrauen oder Töchter das politische Erbe antreten. Man denke dabei an Indira Gandhi (Indien), Benazir Bhutto (Pakistan) oder Corazon Aquino (Philippinen).

Falscher Anfang von Yingluck Shinawatra

Falscher Anfang von Yingluck Shinawatra?

Dabei könnten so viele Frauen von Yingluck Shinawatra rasanten Aufstieg inspiriert sein. Schließlich ist es in Thailand fast normal das Frauen eine gehobene Management Position inne haben. Immerhin sind 45 Prozent der Thai Frauen in gehobenen Positionen tätig, während der weltweite Durchschnitt nur 20 Prozent Frauen in gehobenen Positionen ausweist.
Aber wahrscheinlich hat Yingluck einfach nur den falschen Anfang in der Beziehung zu den thailändischen Feministinnen gewählt. In einer ihrer Ansprachen zu ihrer Kandidatur am 16. Mai 2011 sagte Yingluck:

"Ich werde meine Weiblichkeit nutzen um dem Land und dem Volk zu dienen".

Eine Feministin würde niemals eine solche Aussage tätigen.
Sogleich wurden die Frauengruppen aktiv und Arpaporn Sumrit, Women's Studies Center in Chiang Mai konterte:

"Yingluck hat den Körper einer Frau, aber sie denkt wie ein Mann und ich denke nicht das sie etwas außergewöhnliches für Frauen unternimmt".

Auch während ihres Wahlkampfes hat sich Yingluck in Bezug auf Frauenrechte nicht geäussert. Dabei gäbe es so viele Themen welche sie auf ihren Wahlkampf Spickzettel hätte schreiben können. Um nur die beiden wichtigsten Punkte anzuführen – Gewalt gegen Frauen und die Diskriminierung der Frauen in Thailand.
Nur kurze Zeit nach der Wahl änderten sich die Aussagen der Feministinnen gegenüber Yingluck in etwas moderatere Töne. Während eines Treffens in der politischen Fakultät der Thammasat Universität meinte die prominente Feministin Chalidaporn Songsamphan,

"dass Yingluck dennoch eine Frau sei und sie sich durchaus der Problematiken der Frauen in Thailand bewusst sei. Zudem würden die Aktivitäten der Frauengruppen die Aufmerksamkeit von Yingluck wecken. Dennoch seien keine allzu grossen Veränderungen zu erhoffen, denn die Umstände welche Yingluck zur thailändischen Ministerpräsidentin machten, seien nicht auf ihr politisches und feministisches Vorgehens zurückzuführen".

Ein anderes Mitglied des Treffens erinnerte daran wie euphorisch die thailändischen Feministinnen waren, als im Jahre 1988 Pornthip Nakhirankanonk zur Miss Universe gekrönt wurde. Das Fieber ebnete jedoch sehr schnell wieder ab, als Pornthip erklärte sie werde heiraten.

Nicht alle Feministinnen urteilten schlecht über Yingluck. Laddawan Tantiwittayapitak aus dem Political Development Council meinte,

"das Yingluck in das Amt der Ministerpräsidentin geflogen sei, doch wenn sie aus den Fehlern ihres Bruders Thaksin lernte, könnte sie mit ihrer Macht und mit ihrer Weiblichkeit die Zukunft Thailands positiv gestalten. Immerhin hätten dies schon andere politisch aktive Frauen bewiesen".

Dabei ist ausserdem zu berücksichtigen, das in Thailand nur 15 Prozent der Parlamentarier Frauen sind, wobei eine internationale parlamentarische Abmachung 30 Prozent Frauen in den Parlamenten sehen möchte. Das macht die Wahl von Yingluck Shinawatra zu einem echten feministischen Vorteil, zumal nun die männlichen Politiker sich einer Frau beugen und diese akzeptieren müssen.

Nicht nur die männlichen Politiker sollten Yingluck akzeptieren, auch die Feministinnen in Thailand sollten dies tun. Sie sollten Yingluck bei ihren Aufgaben unterstützen und ihr die Arbeit für Thailand erleichtern. Es ist doch totaler Irrsinn, dass nun nachdem endlich eine Frau an der politischen Spitze Thailands steht, die Feministinnen bereits anklagen und kritisieren obwohl Yingluck noch nicht einmal ihre Amtsgeschäfte in Angriff genommen hat.
Warum klagen die Frauengruppen Yingluck an, dass sie keine Feministin sei? Yingluck hat sich niemals als Feministin gedeutet. Warum sollte Yingluck nun ihre politischen Visionen für die der Feministinnen ändern? Warum fordern die Frauengruppen plötzlich eine Frauenpolitik, und warum haben die gleichen Gruppen diese Politik nicht auch von den führenden Männern zuvor gefordert?

Ist es falsch keine Feministin zu sein

Ist es falsch keine Feministin zu sein?

Ist es ein Verbrechen wenn eine Frau keine Feministin ist? Das würde doch bedeuten, das Frauen welche keine extreme Neigung für die Frauengruppen entwickeln, härter kritisiert werden müssten. Es ist doch kein Verbrechen ohne grössere Schwierigkeiten in ein politisches Amt gewählt zu werden. Betrachtet man einmal all die Nachteile, welche die Red Shirts während dieser Wahl hatten, selbst die viele negative Presse welche von der politischen Elite beeinflusst war, Yingluck Shinawatra schaffte es trotzdem an die Spitze der Macht zu gelangen. Es scheint doch etwas an ihrer Person zu sein, was der Bevölkerung gefällt, denn auch die thailändische Bevölkerung hat einiges in den letzten Jahren erfahren müssen und daraus sicherlich gelernt.

Die meisten Frauengruppen vergessen bei ihrer Diskussionen über die Rechte der Frauen in Thailand, das Thailand nach wie vor generelle humanitäre Probleme zu lösen hat. Die Frauen beschweren sich wegen der Gewalt gegen Frauen, vergessen dabei aber die täglichen Vorkommnisse gegen thailändische Bürger im großen Gesamtbild.
Bei den Demonstrationen der Red Shirt im April und Mai 2010 wurden 91 Menschen getötet. Ist das etwa keine Gewalt?
Bis Heute wurde nichts für die Opfer unternommen. Es wäre doch sicherlich sinnvoll wenn die Feministinnen nicht nur ihre Rechte bei Frauen einfordern würden, sondern sich gleichzeitig und geschlechtsneutral für die Menschenrechte in Thailand stark machen würden.
Und das sind nun mal eben die Tatsachen, denen eine Priorität eingeräumt werden muss. Es sind Menschen, darunter auch Frauen, welche seit April 2010 in den Gefängnissen auf eine Verhandlung warten. Hier wäre ein schnelles Urteil erforderlich.
Männer und Frauen, aber auch Kinder, welche täglich hart arbeiten und dabei gerade so über die Runden kommen um nicht zu verhungern.

Eine Gruppe der Politiker, welche nun gewählt wurden, sehen diese Tatsachen als wichtige Punkte welche sofort zu erledigen sind. Darunter auch Yingluck Shinawatra. Sie steht seit ihrem ersten Auftreten für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit, und für ein wirtschaftliches und soziales Vorwärtskommen.

Im Gegensatz zu Ex Premierminister Abhisit, welcher gerne über die Rechte der Frauen sprach, und viele Versprechen machte, jedoch keines seiner Versprechen einlöste, sollte man Yingluck nun die Chance einräumen ihre Versprechen einzulösen.
Und sollte sie letztendlich nur geredet haben, wie ihr Vorgänger Abhisit, dann wird die nächste Wahl zeigen ob sie im Sinne des Volkes gewaltet hat.

Vielleicht sollten die thailändischen Feministinnen von den thailändischen Männern lernen, und etwas weniger fordern und kritisieren. Die Männer sind in dieser frühen Phase der Yingluck Regierung etwas zurück haltender.

Wir verabschieden uns mit einem Zitat von Chris Baker, einem Politik Analytiker:

„Bevor wir sie nicht ins Verderben rennen sehen ist es schwierig sie zu beurteilen, aber alles was wir bisher von ihr gesehen haben, sowie ihre Ideen und Vorschläge haben doch eine bemerkenswerte Substanz“.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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