Reis aus Thailand regt zu Spekulationen an

Die thailändische Regierung garantiert den Reispreis

Heizt die thailändische Regierung Preisspekulationen auf dem Weltmarkt für Reis an?

Reis Preis auf dem Wochenmarkt im Sept.2011 pro Liter

Reis Preis auf dem Wochenmarkt im Sept.2011 pro Liter

Gehen wir zurück in das Jahr 2008. Der Preis für 1 Tonne Reis stieg auf dem Weltmarkt von 280.- US$ auf über 1.000.- US$. Hungersnöte vor allem auf dem afrikanischen Kontinent waren das Ergebnis einer Verflechtung unterschiedlichster Spekulanten. Exporteure, Importeure, Trader und sogar Regierungen sorgten dafür das der Preis für Reis in unerschwingliche Höhen stieg. Viele Menschen mussten hungern weil sie sich den täglichen Reis nicht mehr leisten konnten.

Die thailändische Regierung entschied sich im Jahre 2008 dazu, den in Thailand produzierten Reis nicht zu exportieren, sondern lagerte dieses so wichtige Nahrungsmittel über Monate und versteigerte über 3 Millionen Tonnen Reis etwa 9 Monate später mit hohen Gewinnen.
Auch damals, im Jahre 2008 hatte die Regierung den Reisbauern die gesamte Ernte zu Höchstpreisen abgekauft.

Wir haben dazu einen interessanten Dokumentarfilm bei Arte gefunden. Um den gesamten Film zu sehen wird etwa 1 Stunde Zeit benötigt. Obwohl der Film sich mehr mit der Problematik in Afrika auseinandersetzt, wird die Verkettung der Umstände und die daran beteiligten Parteien gut veranschaulicht.

Der Film besteht aus sechs Teilen, welche Sie einzeln in der Playlist auswählen können.

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Die Hintergründe warum die Regierung damals so gehandelt hatte, kennt man nicht, denn der Handel mit Reis, in und aus Thailand, bleibt nur wenigen Insidern und der Regierung vorbehalten. Sicherlich wurden damit die Bauern subventioniert, denn die gezahlten Preise für 1 Kilo Reis an den thailändischen Reisbauern sind so gering, dass dieser kaum damit überleben kann.
Vielleicht war es aber auch nur ein weiterer Schritt um die gestiegenen Lebensmittelpreise im eigenen Land etwas zu kaschieren.
Oder wollte die thailändische Regierung ein Zeichen gegen die meist Thai-chinesischen Reisexporteure setzen, damit diese endlich den Reis zu vernünftigen Preisen von den Bauern einkaufen.

Die Teuerungsrate ist seither nicht aufzuhalten. Ob Benzin, Strom, Gas oder Lebensmittel, sämtliche Preise steigen stetig und überdimensional (10 bis 20 Prozent pro Teuerung) an. Die Gehälter und vor allem die Einkommen der Erzeuger blieben dabei meist auf der Strecke oder stiegen nur um wenige Prozentpunkte.

Yingluck nutzt den Reispreis als Geschenk an die Bauern

Schon während des letzten Wahlkampfes im Juni 2011 hat die Phua Thai Partei angekündigt, die Reispreise im Falle des Wahlgewinnes für die Reisbauern zu garantieren. Diese Ankündigung war sicherlich ein ausschlaggebender Faktor für die breite Zustimmung und für das gute Wahlergebnis der Phua Thai Partei bei der Landbevölkerung.
Seit die Partei im Parlament die Regierungsgeschäfte betreibt, vergeht nicht eine Woche in welcher der Landwirtschaftsminister es nicht versäumt eine entsprechende Ankündigung verlauten zu lassen. Die Weichen und Grundlagen für eine erneute Spekulation auf dem Weltmarkt sind geschaffen.

Es scheint das Yingluck mit ihrer vor den Wahlen angekündigten Subvention nun gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wird. Zum einem bezahlt sie, respektive ihre Regierung, den Bauern einen guten Preis für den geernteten Reis und gleichzeitig werden die Landwirte mit diesem höheren Preis für die Ausfälle während den Überschwemmungen zumindest zum Teil entschädigt.
Die Überschwemmungen in Thailand haben innerhalb von zwei Monaten rund 528.000 Hektar Reisfelder beschädigt und laut Kasikorn Research Centre einen Schaden von 266 Millionen $ angerichtet.

Bauern und Tagelöhner bei der Reispflanzung

Bauern und Tagelöhner bei der Reispflanzung

Doch wer profitiert davon?

Betrachten wir einmal die Reisexporteure in Thailand. Die dürften sicherlich nicht erfreut darüber sein, das sich die thailändische Regierung in ihr fast monopolartiges Geschäftsgebaren einmischt. Ihr bisher uneingeschränktes Handeln mit dem thailändischen Reis wird enorm beschnitten und führt zu heftigen Verlusten.

Die thailändischen Reisbauern hingegen sind erfreut darüber, dass die Regierung einen Mindestpreis bietet. Dazu müssen sie nur bis Mitte Oktober warten, bis die Preisquote offiziell bekannt gegeben wird. Für viele Bauern dürfte die etwas längere Wartezeit auf den Gewinn durchaus kein Problem sein. Eine Zwischenfinanzierung wird es sicherlich aus privater Hand zu Wucherzinsen geben. Somit wird gleichzeitig der finanziell starken Minderheit die Möglichkeit geben, auch dabei noch zu einem sicheren Gewinn zu kommen.

Den thailändischen Verbraucher wird es weniger erfreuen, denn für ihn heißt es ab Oktober den Geldbeutel beim Reiseinkauf etwas weiter zu öffnen. Doch Yingluck und ihre Regierung haben auch da schon vorgesorgt, indem sie ankündigten die Mindestlöhne anzuheben. Das dürfte die breite Masse im Volk vorerst ruhig halten. Das auf Grund der höheren Preise für Reis nicht nur der Reispreis ansteigt, sondern auch fast alle anderen Lebensmittel in dieser Kette, erwähnt man hier besser nicht öffentlich.

Die Regierung verfolgt mit der Festschreibung des Reispreises einen wohl weitaus größeren Plan, als nur die Bauern zu belohnen, oder sollen wir es subventionieren nennen.

Die Theorie

Eine Theorie diesbezüglich ist, dass Thailand im Vergleich zu den angrenzenden Ländern wie Laos und Kambodscha wesentlich teurer ist als diese. Hält man nun als einer der weltgrößten Reisexporteure den Reis zurück, steigt die Nachfrage nach Reis aus den Nachbarländern und entsprechend dazu verteuert sich der Reis. Und wie eben in Thailand auch, steigen die Lebensmittel adäquat dazu. Das führt zu höheren Löhnen und so weiter usw.
Die Teuerung welche sich in den letzten Jahren in Thailand breit machte und welche den Export in die asiatischen Regionen erschwerte, wird dadurch wieder etwas aufgelöst und ausgeglichener. Thailand behält zwar nach wie vor die Vormachtstellung in der Region, ist dennoch aber nicht mehr das teuerste Erzeugerland neben Singapur und Malaysia. Der Vorteil an Infrastruktur und Know How gleicht die wenigen Prozent an Preisunterschiede aus.
Gleichzeitig fährt die thailändische Regierung satte Gewinne bei der Spekulation mit Reis ein. Diese Gewinne ermöglichen es der Regierung weitere Subventionen in die Landwirtschaft fliessen zu lassen. Infrastruktur und Betriebsmaterialien wie Maschinen und auch Agrarflächen können damit erschlossen werden. Thailand hat die Möglichkeit weitere Flächen für den Reisanbau zu nutzen und somit langfristig zu einem der wirtschaftlich stärksten Reisexporteure zu werden und zu bleiben.

In Zeiten einer immer schneller wachsenden Population wird Reis in nur wenigen Jahren das wichtigste Nahrungsmittel weltweit sein. Und wenn Thailand es schafft, sich in dem globalen Weltmarkt als verantwortungsvoller Partner zu bestätigen, steht einer wirtschaftlich gesicherten Landwirtschaft nichts mehr im Wege.

Ob die thailändische Regierung wirklich diese Ziele verfolgt ist eben nur Theorie. Ob der Weg den die thailändische Regierung einschlägt ethnisch und moralisch zu vertreten ist, ist fraglich und zweifelhaft. Doch sollte diese Theorie wirkliche Züge annehmen, dann ist Thailand über jeden Zweifel erhaben.

Die Gegenwart

ChartDie Ankündigung der thailändischen Regierung den Preis für den Reis festzuschreiben, treibt bereits die Weltpreise für Reis in die Höhe. Der Richtpreis für Reis ist seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen. Von Juli bis Mitte September kletterte der Weltpreis sogar um rund 30 Prozent nach oben. Somit liegt derzeit der Preis für eine Tonne Reis bei 580.- US$.
Schlechte Ernten weltweit, aber auch die Ankündigung der thailändischen Regierung den Reis zwischen 500.- und 666.- US$, je nach Sorte, aufzukaufen lässt den Preis weiter steigen. Mit über 6 Millionen Tonen Exportreis ist Thailand bereits heute der grösste Reisexporteur.

Zwar haben andere Länder wie Vietnam und Indien ebenfalls einen Einfluss auf den Welthandel, doch handelt Indien, mit 3 Mio. Tonnen Reis, gerade einmal die Hälfte von dem was Thailand auf dem Weltmarkt anbietet. Hinzu kommt das auch diese Länder die Reisernten als Spekulationsprodukt einsetzten. Und nun kommen wieder die Trader und Banken ins Spiel, denn wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat ist Reis ein durchaus lukratives Geschäft an dem man nur zu gerne teilnimmt, denn "die Welt braucht Reis".

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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