Landreform in Thailand

Thailand benötigt dringend eine Landreform

Eine Landreform in Thailand ist ein Wunschtraum

Eine Landreform in Thailand ist ein Wunschtraum

In der politischen Theorie heißt es, das jeder thailändische Haushalt nicht mehr als 50 Rai Land besitzen soll. Dies ist aber eher ein Wunschtraum, in einem Land wo 90% des Landes im Besitz von 10% der Reichen ist.

Ist es überhaupt vorstellbar, dass eine Landreform durchgeführt wird, wenn die verantwortlichen Gesetzgeber im Repräsentantenhaus und im Senat durchschnittlich über 100 Rai Land pro Person besitzen?

Mehrere Modelle werden derzeit diskutiert. Eine Variante ist das Landbesitzer mit mehr als 50 Rai Land, mehr Steuern bezahlen sollen, d.h. die Steuerbelastung steigt progressiv an.
Ich bezweifle das dieses Modell sich durchsetzen wird.

Dabei ist die derzeitige Situation untragbar für Thailand. Der seit Jahren andauernde politische und soziale Tumult findet auch seine Wurzeln in dieser Ungerechtigkeit der Landverteilung.

Permsak Makarapirom, Anwalt und Vertreter der Landreform, meint das es dringend notwendig ist, dieses skandalöse Landbesitzsystem zu reformieren, ansonsten ist Thailand zum scheitern verurteilt.
Das Nationale Landreform Komitee, in welchem Mr. Permsak der Vorsitzende ist, fordert eine Höchstgrenze von 50 Rai Land. Kein Thai soll mehr Land besitzen dürfen.
Ein weiterer Vorschlag zur Landreform ist eine entsprechende Land-Bank einzurichten, welche das brachliegende Land kauft und an anliegende Land besitzlose Bauern verkauft.
Mr. Permsak übertreibt nicht, wenn er die Eigentumsstruktur des Farm Landes als skandalös beschreibt.

Wie die Statistik des Landinstitutes ausweist, besitzen 6 Millionen Thai einen Anteil von 90% des Landes. 70% davon liegen brach, weil dieses Land nur zu Spekulationszwecken dienen soll, oder als Vermögensausgleich und Bürgschaften benutzt wird. Der wirtschaftliche Schaden der durch dieses brachliegende Land entsteht liegt bei etwa 127 Billionen Baht pro Jahr.
Dagegen sind 40% der Landbevölkerung, welche überwiegend als Bauern ihren Lebensunterhalt verdienen, ohne Landbesitz, und haben schon aus diesem Grund einen sozialen und wirtschaftlichen Nachteil.

Reisfeld im Norden Thailand

Reisfeld im Norden Thailand

Skandalös ist auch das 4.8 Millionen Bauern nicht über genug Land verfügen, während 30 Mio. Rai Land bei den Gerichten wegen Bankrotterklärungen festliegen und verwahrlosen.
Hinzu kommt das politische Bestreben offizielle, einem Dorf angestammte Wälder in Nationale Schutzzonen und Parks umzuwandeln, wohingegen die Bauern kein Farmland haben. Das Büro für Waldwirtschaft verschließt die Augen vor dem großen Waldbesitz der Reichen, während in den vergangenen Jahren 2.700 Gemeinden mit insgesamt 1.2 Millionen Einwohnern ihren angestammten Wald, durch die Umwandlung in einen Nationalpark, verloren haben.
Allein in den Jahren 2007 - 2008 wurden fast 10.000 Dorfbewohner verhaftet und mit Gefängnis bestraft, nur weil diese in dem Dorf angestammten Wald rodeten und pflanzten. Dabei war diese Art von Landgewinn die Praxis seit Generationen in Thailand.

Im politisch unruhigen Süden Thailands, ist die Landverteilung eines der größten Ressentiments zwischen den ethnisch moslemischen Malaien und der buddhistischen Thai Bevölkerung.

Unabhängig vom Besitz des Landes, möchte das nationale Landreform Komitee ein Zonensystem einführen, welches das Land in agrarwirtschaftliche Zonen und in industriewirtschaftlich Zonen unterteilt. Dies würde gewährleisten, das das Farmland bei den Bauern verbleibt. Gleichzeitig müsste jedoch sichergestellt sein, das die Bauern das Land bewirtschaften und es auch nicht weiter verpachten.

Eine weitere Problematik ist, das die jetzige Generation der Bauern ein Durchschnittsalter von 50 Jahren hat. Die Jüngere Generation lebt in den Städten und verdient ihren Lebensunterhalt auf Baustellen oder als Hilfsarbeiter. Meist haben diese jungen Leute, eine nicht ausreichende Schulbildung um einer besseren Beschäftigung nachzugehen. Dennoch ist es fraglich ob diese Generation wieder als Bauern arbeiten will.

Eine anderes Problem liegt an den zu hohen Preisen für Farmland. Neue Bauern, aber auch Bauern welch derzeit noch ihren Beruf ausüben, haben kaum eine Möglichkeit dieses spekulativ überteuerte Land zu erwerben.
Das wiederum bringt die großen Agrar-Giganten ins Geschehen. Das würde aber zu einem enormen Rückgang der Dörfer in den betroffenen Gegenden führen. Man stelle sich nur die Frustration der Dorfbevölkerung vor, wenn solch ein Gigant das brachliegende Farmland bestellen würde und dabei die sozial schwachen Bauern mit Mindestlöhnen bezahlt, oder sogar Arbeiter aus Burma, Laos oder Kambodscha zu noch geringeren Löhnen beschäftigt.
Das Gefühl das die Reichen dadurch noch reicher werden lässt sich bei solch einem Szenario wohl nicht vertuschen.

Die Wut der Landbevölkerung gegen diese Ungerechtigkeiten in Thailand ist bereits bei den Demonstrationen in den vergangenen Jahren sichtbar geworden. Seither gibt es immer wieder Streitigkeiten der politischen Parteien, welche versuchen durch Versprechen die Landbevölkerung für sich zu gewinnen.
Doch diese Versprechen werden nie eingehalten, und während die Landbevölkerung weiterhin unterhalb des Existenzminimums dahin vegetiert, werden die Reichen noch reicher.

Eine Landreform ist ein unbedingtes Muss, wenn Thailand den sozialen Kollaps vermeiden will.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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