Umweltschutz in Thailand oder die Nostalgie der Plastiktuete

Ohne Plastiktueten kein Einkauf

Ohne Plastiktüten kein Einkauf, beachten Sie die bereitgelegten Tüten neben der Verkäuferin.

Wer in Thailand einkaufen geht, der wird sehr schnell feststellen wie überaus großzügig die Verkäufer mit der Ausgabe der kleinen, durchsichtigen Plastiktüten sind. Plastiktüten in allen nur erdenklichen Größen. Selbst wenn man sich nur einen kleinen Schokoladen Snack oder ein Päckchen Zigaretten holt, werden diese kleinen Einkäufe in entsprechend kleine Plastiktüten getan. Oftmals nur um das gekaufte außerhalb des Ladengeschäftes sofort wieder aus der Tüte zu nehmen und die Plastiktüte irgendwie zu entsorgen.

Noch wesentlich extremer wirkt sich die Benutzung der so bequemen Plastiktüte auf den Lebensmittel Märkten aus. Wer seine Einkäufe auf den ländlichen und städtischen Märkten selbst unternimmt, wird sehr schnell feststellen dass man schon nach nur wenigen Minuten voll bepackt mit vielen kleinen Tüten ist. Ich hatte schon einen eigenen Einkaufskorb dabei, doch selbst dann wurde das Gemüse in kleine Plastiktüten verpackt bevor es in meinem Korb landetet. Immer wieder musste ich darauf hinweisen, dass ich die kleine unnütze Tüte eigentlich nicht haben möchte. Meist wurde ich dann mit dem Spruch "ja das ist gut gedacht und hilft gegen die globale Erwärmung" angelacht, doch so richtig in das Bewusstsein der Thai dringt die Tatsache der Globalen Erwärmung nicht.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass die Waren in natürlichen, biologisch abbaubaren Verpackungen verkauft wurden. Die Waren wurden in Bananenblätter verpackt oder in eine alte Zeitung. Dabei gibt es mehrere Vorteile dieser Art der Verpackung: sei es dass sich diese Verpackung selbst kompostiert, oder aber auch nur dass diese Verpackungsmethode kein Geld kostet. Von dem enormen Mehrverbrauch an Energiebedarf zur Herstellung der Plastiktüte will ich gar nicht erst anfangen.

In chinesischen Restaurants war es lange Zeit üblich, dass der Koch früh morgens mit dem Fahrrad auf den Markt fuhr. Dabei war er meist mit einem stabilen Korb aus Ratan oder Bambus ausgerüstet. Seine erste Einkäufe galten Fleisch, Geflügel oder Fisch, welche in Bananenblätter und Papier in den unteren Teil des Korbes kamen. Das Gemüse und die Früchte wurden darüber platziert. So wurden die leicht verderblichen Waren vor der Sonne geschützt und die Früchte nicht gequetscht.

Korbflechten

Körbe flechten würde älteren Leuten wieder eine ausführbare Arbeit geben.

In ländlichen Gebieten, wurde die Ware in leichte, einfache Bambuskörbe getan, welche der Käufer nicht einmal mitbringen musste. Die Verpackung war nicht sehr stabil, doch sie war ausreichend um die Waren nach hause zu bringen. Am heimischen Holzkohle Feuer konnte man diese Verpackung als Anzünder nutzen.

Pinto

Ein Pinto zum Transport der Speisen

Wer reisen musste, oder sich den ganzen Tag auf dem Feld aufhielt, hatte meist einen Pinto bei sich. Der Pinto ist ein Metallcontainer in welchen verschiedene Schüsseln aufeinander gestapelt werden. Durch eine spezielle Verschlusstechnik blieben die Schüsseln aufeinander und dichteten sich gegenseitig ab.

Der Pinto wird auch Heute noch sehr oft benutzt. Man sieht den Pinto sehr häufig in Tempeln und bei Opfergaben an Mönche. In ländlichen Gebieten wird er immer noch als Essenscontainer für die Schulkinder eingesetzt. Das Material und die Ausführung haben sich etwas verändert. Die Speisen welche darin aufbewahrt werden halten die Temperatur besser. Aber leider hat auch hier Plastik seinen Einzug gehalten. Es ist kostengünstiger und leichter. Auch Rost bleibt den Lebensmitteln fern. Jedoch ist der Verschleiß eines solchen Plastikpintos sicherlich genauso zu beachten. Meist bricht das Plastik in der Sonne, weil die Sonnenstrahlen, den Weichmacher im Plastik freisetzen und verdunsten lassen.

Thailändische Männer benutzten sehr häufig ein Tuch als Gürtel. Doch der eigentliche Nutzen des Tuches war nicht als Gürtel gedacht. Es diente um sich zu reinigen, als Decke während einer Pause oder um kleinere Gegenstände daran zu befestigen, um diese dann um die Hüfte geschwungen zu transportieren. Meist waren das ein Messer, Wasserbeutel und Kleidung. Das Tuch diente auch als Rucksack um die gesammelten Früchte zu transportieren. Heute sieht man um die Hüfte gewickelten Tücher oftmals nur noch in Verbindung mit traditioneller Kleidung. In den letzten 20 Jahren sind auch diese durch günstig hergestellte Rucksäcke ersetzt worden.


Das Pakaoma (ผ้าขาวม้า) ist etwas schmäler und kleiner als das Patung (ผ้าถุง). Während das Pakaoma meist von Männern benutzt wurde, hat das Patung bei den Frauen immer noch eine wichtige Bedeutung in deren Kleiderschrank. Ursprünglich war es ein Badetuch, welches sich die Frauen beim täglichen Bad um den Körper wickelten. Der Stoff war leicht und trocknete schnell in der Sonne. Oft war das Patung auch Bestandteil der alltäglichen Kleidung. Doch auch bei diesem Kleidungsstück haben Modetrends die traditionelle Bedeutung eingeholt. In den letzten Jahrhunderten veränderte sich das Patung zum Pasarong. Zu einem modischen Tuch, welches als Rock getragen wird. Hergestellt aus feinster Seide, mit kunstvollen Mustern verziert ist es ein durchaus wertvoller Bestandteil der thailändischen Kultur geworden. Mehr noch, das Pasarong gehört Heute zum eleganten Alltagsbild in den Büros und Gewerbebetrieben in den Städten.

Klicken Sie auf ein Bild um dieses zu vergrößern, es öffnet sich ein neues Fenster 🙂

Koerbe in grosser Auswahl   Dieses Geschaeft verkauft handgefertigte Alltagsgegenstaende   geraeumige und schicke Koerbe   Koerbe als Verpackung   Das Pakaoma - ein Vielzweck Tuch   Das Pasarong gewinnt an Ansehen

Weshalb so viele praktische aber auch umweltschonende Dinge die Wandlung in ein neues Zeitalter nicht schaffen ist nur schwer zu beantworten. In erster Linie liegt es aber an uns, diese schnelllebigen und Umwelt belastenden Gebrauchsgegenstände nicht zu benutzen. Entscheiden wir uns dann noch dafür die traditionellen Alltagsgegenstände sinnvoll einzusetzen, dann haben wir bereits hier einen ersten und wichtigen Schritt für uns und unsere Umwelt getan.

Ein Film von Arte: Kaufen für die Müllhalde (75 Min)

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und bringen Sie Ihren Einkaufskorb für Ihre täglichen Einkäufe mit. Zeigen Sie Ihren thailändischen Mitmenschen, dass Sie es für gut und wichtig erachten, wenn die Waren nicht in Plastiktüten verpackt werden. Indem wir als gutes Beispiel voran gehen, können wir die Aufmerksamkeit der Thai gewinnen und vielleicht zu einem Umdenken bewegen.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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4 Antworten auf Umweltschutz in Thailand oder die Nostalgie der Plastiktuete

  1. Jürg Hölzle sagt:

    Ich habe es schon mit eigenen Einkaufstaschen versucht – und es mittlerweile aufgeben…

    Erstens ist der Ablauf bei Tesco Lotus und anderen grossen Einkaufshäusern auf die neben der Kasse aufgehängten Plastiktüten ausgelegt. Wenn ich mit meiner eigenen Tasche komme, gibt es jeweils einen Stau beim Einpacken.

    Zweitens, müsste ich jeweils sehr viele Taschen mitnehmen, da meine thailändische Familie keine Einkaufslisten macht und so der Umfang eines Einkaufs vorher nicht planbar ist.

    Wir versuchen aber, unnötige Plastiktüten zu vermeiden; vor allem in den grossen Einkaufszentren, wo wir dann kleinere Sachen in schon vorhanden Taschen versorgen. Bei Tesco Lotus u.ä. lassen wir auch nicht mehr alles einpacken, z.B WC-Papier. Hier macht meine thailändische Familie auch mit.

    Wenn ich alleine und nur für mich einkaufe, dann benütze ich meistens eine eigene Einkaufstasche.

    Schlimm finde ich vor allem, dass die Leute die Plastiksäckchen von Take-Away-Mahlzeiten gerne „verlieren“ und die dann in den Büschen hängen.

    • JoJo sagt:

      Ja, in den Supermaekten ist das alles nicht so einfach. Die muessten einiges umstellen damit man da Plastik sparen koennte.

  2. Oliver sagt:

    Ich erinnere mich an die Zeiten, wo es in Deutschland auch nur Plastiktüten gab.
    Irgendwann gab es dann Stoffbeutel, diese wurden aber nicht gut angenommen, denn die kosteten glaube ich 1 DM, während Plastiktüten umsonst waren.
    Erst als die Plastiktüten auch Geld kosteten, wurde dem Verbraucher klar, dass er letztendlich mit eigenen Stoffbeuteln günstiger weg kommt.
    Dieser Wandel hat auch in Deutschland sicherlich 10 Jahre gedauert, in Thailand sind wir erst ganz am Anfang.

    • JoJo sagt:

      Ja, sicherlich hast Du recht, aber in Thailand gab es ja schon genügend Alternativen zur Plastiktüte. Und das finde ich schade.

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