Thailands Geschichte – Teil III

Thonburi-Periode (1767 bis 1782)

Der chinesisch stämmige General Taksin konnte aus der belagerten Stadt Ayutthaya fliehen und sich nach Ostthailand absetzen. Dort gelang es ihm, neue Truppen zu formieren und den Widerstand gegen die Burmesen zu organisieren.
Es kam ihm zugute, dass Burma zur gleichen Zeit von einer Invasion Chinas bedroht wurde und aus diesem Grund nur sehr schwache Besatzungstruppen in Ayutthaya blieben. Bereits im Oktober 1767 gelang es ihm, die alte Hauptstadt zurück zu erobern.
Ayutthaya wurde jedoch nicht wieder Zentrum des Reiches, sondern das strategisch besser gelegene Thonburi.

Smaragd Buddha

Smaragd Buddha

1776 gelang ihm sogar die Eroberung von Lan Na. 1768 vergrößerte er den siamesischen Einfluss in Kambodscha und 1778 unterwarf er Laos, von wo er den berühmten Smaragd-Buddha, eines der größten Heiligtümer des Buddhismus, mitbrachte.

Jedoch verfiel Taksin zunehmend dem Wahnsinn und verhängte zahlreiche Todesurteile gegen Menschen aus seiner Umgebung.

König Taksin wurde verhaftet, verurteilt und 1782 hingerichtet. Dabei wurde er von seinem eigenen Palastpersonal mit einer Keule aus Sandelholz erschlagen. Da niemand den König berühren durfte, und damit sein Blut nicht vergossen wird, wurde er zuvor mit Samt umhüllt.

Nach seinem Tod (mit dem die Thonburi-Zwischenzeit endet) wurde sein fähigster General Phraya Chakri von seinem Feldzug gegen Burma zurückgerufen und bestieg am 6. April 1782 als König Phuttayodfa (Rama I.) den Thron.

Die Wege des Smaradg Buddha

Diese viel verehrte Statue hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Einer Legende zufolge wurde sie etwa 50 v. Chr. von einem indischen Abt in Patna (Indien) geschaffen und blieb dort 500 Jahre. Drohende Überfälle der Hunnen-Völksstämme ließen die Statue zum Schutz zunächst nach Ceylon gelangen. Von hier aus kam sie dann unter abenteuerlichen Umständen zu den Khmer in Angkor. Danach ist sie unter den vielen Wirren der Eroberungskriege nach Siam gebracht und versteckt worden. Nur Legenden erinnerten an ihn.

Im Jahre 1434 wurde die Figur zufällig in einem Chedi in Chiang Rai im Norden von Thailand entdeckt. Ein Blitz soll im Chedi eingeschlagen und eine Statue aus Stuck freigelegt haben. Später bröckelte der Stuck ab, und man stieß auf den grünen Buddha.

Als der Fürst von Chiang Mai davon hörte, ordnete er die Überführung in seine Hauptstadt an. Ein Trupp mit Elefanten wurde ausgeschickt, doch der Elefant, der den Smaragd-Buddha trug, verweigerte den Gehorsam und marschierte statt nach Chiang Mai nach Lampang. Dort blieb die Figur für 32 Jahre im Wat Phra Keo Don Tao von Lampang.

Erst 1468 überführte König Tilok sie in den Wat Chedi Luang nach Chiang Mai. 1552 brachte ihn sein Nachfolger, König Jayajetthar, nach Luang Prabang im heutigen Laos. Jayajetthar war zu jener Zeit König von Luang Prabang und von Chiang Mai.

Als die laotische Hauptstadt nach dem heutigen Vientiane verlegt wurde, nahm man auch die Staue dorthin mit. Hier befand sie sich 226 Jahre, bis sie 1778 General Chakri von einem Kriegszug mitbrachte.

Zuerst wurde sie im Wat Arun aufgestellt, dann fand sie 1782 ihren festen Platz im Wat Phra Keo in Bangkok. Seitdem ist dieser Tempel die wichtigste königliche Kapelle der Chakri-Dynastie. Der Smaragd-Buddha symbolisiert auch das Bestehen der Chakri-Dynastie. Sollte der Smaragd-Buddha jemals wieder nicht nur die Kleidung, sondern auch den Ort wechseln, so wird dies ein sichereres Zeichen großer Umwälzungen sein.

Der Smaragd-Buddha besteht aber nicht aus einem großen Smaragd, sondern ist aus lichtdurchlässigem Jaspis oder Jade gefertigt, hat eine sitzende Haltung und ist rund 70 Zentimeter hoch. Dreimal im Jahr erhält er aus den Händen des Königs verschiedene Gewänder angelegt. In der Regenzeit ist es eine Mönchsrobe, in der kühlen Jahreszeit ein goldenes Gewand und in der Vormonsumzeit einen mit Diamanten und Edelsteinen besetzten Umhang. Bei dieser Zeremonie sind hohe Regierungsbeamte und religiöse Oberhäupter anwesend.

Die Chakri-Dynastie

Rama I

Das koenigliche Wapen der Chakri

Das königliche Wapen der Chakri

Es ist wahrscheinlich, dass König Phuttayodfa und seine Familie die Thronbesteigung bereits zu Lebzeiten seines Vorgängers Taksin geplant hatten. Denn bereits kurz nach seiner Krönung betrieb er eine systematische und blutige Ausrottung der Anhänger Taksins.

Die neue Dynastie verlegte die Hauptstadt von Thonburi nach Rattanakosin, dem heutigen Bangkok. Bangkok war bis dahin nur eine kleine Siedlung mit einem Fort gewesen, sie lag jedoch strategisch günstig am östlichen Ufer des Maenam Chao Phraya und war unter den ausländischen Händlern als Schlüssel nach Siam bekannt. Mit Materialien aus Ayutthaya wurden neue Paläste und Tempel errichtet. Für den Smaragd-Buddha wurde der Wat Phra Kaeo gegründet. Der König setzte sich zum Ziel, die alte Pracht von Ayutthaya auf die neue Hauptstadt zu übertragen. In seiner neuen Hauptstadt ließ Rama I. sich im Jahre 1785 in einer prunkvollen Zeremonie krönen.

Zu einer der bedeutendsten Leistungen von Rama I. gehört, dass er ab 1804 alle Gesetze des Landes sammeln, prüfen und in einem (in heutigem Druck) 1700 Seiten starken Werk kodifizieren ließ. Dieses so genannte Drei-Siegel-Gesetz blieben in ihren Grundzügen bis Anfang des 20. Jahrhunderts gültig.

Auch auf kulturellem Gebiet erlangte Siam ein hohes Niveau. So wurde der buddhistische Kanon (Dreikorb) gesammelt und im Rahmen eines Großen Rates neu formuliert. Die Künste wurden gefördert, schon allein durch die Erbauung neuer Paläste und Tempel in der neuen Hauptstadt. Aber auch Literatur und Theater blüten, in dieser Epoche entstanden Werke wie das bedeutende, 3000 Seiten starke Ramakian. Werke aus dem chinesischen, Mon, dem javanischen, dem persischen und den indischen Sprachen wurden nach Thai übersetzt.

Bildnis aus der Ramakien

Gemälde aus der Ramakien

Rama I. führte als erster König der Chakri-Dynastie in vielerlei Hinsicht die Traditionen von Ayutthaya fort. Dennoch war er der erste König in der Geschichte Siams, der seine Entscheidungen vor den höchsten Beamten begründete und/oder rechtfertigte.

Rama II und Rama III

Rama II. (Phra Phuttaloetla) war der Sohn von Rama I.. Seine Thronbesteigung war von einem Komplott begleitet, bei dessen Niederschlagung 40 Personen hingerichtet wurden. Die innen- und außenpolitische Ruhe, die in der Folge während der Regierungszeit von Rama II. und seinem Nachfolger Rama III. (Phra Nang Klao) herrschte, wurde vor allem durch das Nachgeben in Konflikten und den Aufbau von guten Beziehungen zu einflussreichen Clans im Inland erreicht.

In Rama II. wirkte das Gefühl des großen Kulturverlustes nach der Zerstörung Ayutthayas fort. In der Zeit der Konsolidierung wollte man so viel wie möglich wieder aufbauen und dem Land Kunstwerke und Tradition zurückgeben.

Kulturelle und soziale Veränderungen unter Rama II

Seine Aufgaben sah er in der Festigung der Verwaltungsstrukturen des Landes.  In der Kultur legte er seine Schwerpunkte auf die Förderung der Architektur, der Literatur und der Musik, sowie der Erneuerung der Religion.
Auch die Wirtschaft förderte er, indem er jeden Landbesitzer unter Androhung der Enteignung verpflichtete, sein Land zu kultivieren. Hierzu ließ er eine Landesvermessung durchführen, die ganz Siam erfasste.

Als gläubiger Buddhist erneuerte er die Festtage des Visaka Bucha, dem Geburts-, Erleuchtungs- und Sterbetag des Buddha.
Rama II. war wie sein Vater Phra Phuttayodfa Chulalok (später: Rama I.) ein großer Freund der Literatur und übersetzte unter anderem die buddhistische Tripitaka aus dem Pali ins Thailändische.
Er ließ den Wat Arun in Thonburi restaurieren und vergrößern, entwarf selbst das anmutige und lebensnahe Buddha-Abbild in der Ordinationshalle.

Außenpolitisch dominierten zunächst die Beziehungen zu den Nachbarstaaten, während jene zu den europäischen Kolonialmächten in den Hintergrund traten. In Kambodscha und Laos errang Vietnam die Vorherrschaft, was Rama II. zunächst akzeptierte.

In das 19. Jahrhundert fällt auch der Beginn der chinesischen Masseneinwanderung nach Siam. Durch die Verfügbarkeit von chinesischen Arbeitern blühten Handel, Landwirtschaft und Handwerk auf. Es mussten jedoch auch die ersten chinesischen Rebellionen niedergeschlagen werden.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien – und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.

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