Thailands Geschichte – Teil II

Das Reich von Ayutthaya (1351 bis 1767)

Landkarte Ayuttaya um 1380

Landkarte des Ayutthaya Reiches um 1380

Das Königreich Ayutthaya wurde durch den charismatischen Fürsten und ersten König Ramathibodi I. im Jahre 1351 gegründet und bestimmte in der Folge für etwa 400 Jahre mit 33 Herrschern und sieben Dynastien das Geschehen im heutigen Thailand.

Ayutthaya nutzte die mangelhafte Wehrhaftigkeit der Könige von Sukhothai aus. und der Fürst U Thong übernahm das Königreich 1350 praktisch ohne Blutvergießen. Der König von Sukhothai, Lue Thai, wurde zum Vasallen Ayutthayas. U Thong trat als erster König der Ayutthaya-Periode mit Namen Ramathibodi I. ins Rampenlicht.

Ayutthaya trieb Handel mit Nationen wie China, Vietnam (Annam), Indien, Japan und Persien, später auch mit Portugal, Spanien, Holland und Frankreich. Letztere durften ihre Handelsniederlassungen vor den Toren der Stadt eröffnen. Der Hof von König Narai (1656–1688) hatte Beziehungen zu dem von König Ludwig XIV., dessen Diplomaten die Stadt in Größe und Wohlstand mit Paris verglichen.

Politische Situation um 1350

In der Mitte des 14. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Thailand in mehrere Königreiche, in Fürstentümer und Stadtstaaten unterteilt. Im Norden musste erst vor wenigen Jahren das 600 Jahre alte Hariphunchai-Königreich, welches seine Hauptstadt im heutigen Lamphun hatte, die Macht an eine „neue Stadt“ abgeben, an Chiang Mai, der Hauptstadt des Königreiches von Lan Na. Zwischen Nord- und Zentralthailand lag das Zwillings-Königreich von Sukhothai und Si Satchanalai. Nicht weit von Ayutthaya entfernt lag Lavo, das heutige Lopburi. Etwa in gleicher Entfernung nach Westen lag Suphan (wahrscheinlich das historische Suvarnabhumi, das heutige Suphanburi), welches zwar nicht so mächtig war wie Lavo, dennoch hat die Suphan-Dynastie zweimal den Thron von Ayutthaya mit Waffengewalt erobert.

Ramathibodi I. kämpfte zunächst erfolgreich gegen die Khmer, eroberte Angkor und vertrieb den Khmer-König nach Laos. Er ließ nach dem Vorbild von König Ramkhamhaeng ein Gesetzbuch verfassen, das sich als Codex unter Beachtung der Thai-Sitten an hinduistische Quellen anlehnte. Gleichzeitig sorgte er für den Bau von Tempeln und für die Einführung des Theravada-Buddhismus, um sich von den hinduistisch beeinflussten Khmer abzugrenzen.

Tempelwaechter bei den KhmerDas nordthailändische Reich Lan Na konnte nicht unter die Herrschaft Ayutthayas gebracht werden. Es erlebte unter König Tilokarat eine Phase höchster Blüte und Macht und stellte eine Bedrohung für alle seine Nachbarn dar.  Lan Na und Ayutthaya befanden sich während der ganzen Zeit im Kriegszustand, wobei ein relatives Kräftegleichgewicht einen Sieg der einen oder anderen Seite verhinderte.
Mit der endgültigen Ablösung der Sukhothai-Dynastie waren die freien und fortschrittlichen Tage der Thai  vorbei, denn die Könige von Ayutthaya sahen sich, im Gegensatz zu den Königen der Sukhothai Dynastie, als uneingeschränkte Herrscher, die über Leben und Tod ihrer Untertanen bestimmen konnten.

Ramathibodi II. (1491–1529) war der erste Thai-Herrscher, der Kontakt zu den Europäern aufnahm. Er empfing zwischen 1509 und 1516 drei Gesandtschaften aus Portugal, die schließlich Handelsniederlassungen errichten durften.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert wurde das Königreich von blutigen Kämpfen um die Thronfolge geschwächt.
Gleichzeitig errichtete im benachbarten Burma die Toungoo-Dynastie ein Reich, das etwa zur gleichen Zeit erstarkte. Im Jahre 1549 belagerten die Burmesen erfolglos die Hauptstadt Ayutthaya. 1557/58 konnten sie Lan Na erobern, was dazu führte, dass Ayutthaya nun von zwei Seiten angegriffen werden konnte. 1563 begann eine große militärische Aktion der Burmesen, auf die Ayutthaya nicht genügend vorbereitet war. Die Hauptstadt fiel schnell, König Chakkraphat und seine Familie wurden nach Pegu verschleppt, nur Prinz Mahin blieb als Regent der Burmesen zurück.
Innere Probleme auf Seiten der Burmesen erlaubten es, dass Prinz Mahin, sein als Mönch zurückgekehrter Vater(ehm. König Chakkraphat) und der laotische König Sai Setthathirath I. ein Bündnis eingingen. Dieses Bündnis provozierte jedoch einen Gegenschlag der Burmesen, der 1569 zur Einnahme Ayutthayas und zur völligen Vernichtung der Königsfamilie führte.

Die Burmesen konnten ihre Expansionsbemühungen jedoch nicht Aufrechterhalten.

Prinz Naresuan

Prinz Naresuan

Während seiner burmesischen Gefangenschaft konnte der 15-jährige Sohn von Maha Thammaracha, Prinz Naresuan (siehe Foto), zunächst das Vertrauen der Burmesen gewinnen.
Als im Jahr 1571 seine Schwester mit König Bayinnaung verheiratet wurde, konnte Naresuan im Gegenzug nach Ayutthaya zurückkehren. Nach dem Tode von König Bayinnaung 1581 kam Burma in innerpolitische Schwierigkeiten. 1590 wurde Naresuan König von Ayutthaya und versammelte eine große Anzahl von Verbündeten um sich, mit denen er erfolgreich die Kontrolle über die Hauptstadt an sich reißen konnte.
Im Jahr 1593 soll Naresuan in einer historischen Schlacht bei Nong Sarai (heute: Don Chedi) den burmesischen Kronprinzen eigenhändig getötet haben. Ein Nationaldenkmal an der Stelle der Schlacht erinnert noch heute an diese Tat.

Legende um Prinz Naresuan

Um sich die Loyalität der Thai zu versichern, nahm Koenig Bayinnaung unzählige Kriegsgefangene, unter anderen auch den 13-jährigen Prinz Naresuan, als Geisel mit zurück nach Hongsawadi (das heutige Pegu).
Eine thailändische Legende berichtet, dass Prinz Naresuan seine Freiheit in einem Thai Box Wettbewerb wieder erlangte, indem er einen burmesischen Prinzen besiegte. Zusammen mit den anderen Kriegsgefangenen durfte er nach Ayutthaya zurückkehren.

Naresuan gelang es, das Reich Ayutthaya in seinen ursprünglichen Grenzen  wieder herzustellen. Darüber hinaus expandierte er und konnte wichtige Handelsstädte im Süden Burmas unter die Kontrolle Ayutthayas bringen. 1594 wurde auch die kambodschanische Hauptstadt Lovek erobert und Kriegsgefangene im Reich zwangsangesiedelt.

Ayutthayas zweiter Aufstieg

Neben den Europäern ließen sich auch Vertreter von asiatischen Mächten in Ayutthaya nieder. Traditionell lebten zahlreiche chinesische Kaufleute im Land, später kamen Japaner hinzu. Diese Gruppen übten einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Geschicke des Königreiches aus und konnten bis in höchste Regierungspositionen aufsteigen.

Ab 1664 versucht auch die französische Ostindienkompanie in Ayutthaya Fuß zu fassen.  Das Resultat waren rege diplomatische Beziehungen zwischen Paris und Ayutthaya, das ab 1680 mehrere diplomatische Missionen nach Frankreich entsandte.
Die Rivalität zwischen den europäischen Mächten bedingte die Anwesenheit zahlreicher ausländischer Soldaten in Ayutthaya. Die Absicht der Franzosen, Festungen zu errichten, lösten das Missfallen des traditionsbewussten Adels aus.
Eine schwere Erkrankung König Narais führte zu einem Staatsstreich. Die Franzosen mussten ihre Einrichtungen aufgeben, jegliche missionarischen Aktivitäten wurden verboten.
Diese Zäsur wird in der thailändischen Geschichte als Revolution von 1688 bezeichnet. Sie läutete eine neue Phase der Außenpolitik des Landes ein, in der sich Ayutthaya auf die Nachbarländer konzentrierte.

Kurz nach dem Tod König Borommakots endete das Goldene Zeitalter Ayutthayas. In Burma hatte sich die Konbaung-Dynastie etabliert, das Reich nach innen konsolidiert und betrieb nun eine aggressive Expansionspolitik.

Das Ende Ayutthayas

Im Februar 1766 schließlich tauchten die Birmanen vor Ayutthaya auf und begannen eine einjährige Belagerung. König Ekathat bot die Unterwerfung Ayutthayas an, doch die Birmanen wollten die völlige Vernichtung. Nach einem verheerenden Brand innerhalb der belagerten Stadt, der angeblich 10.000 Häuser vernichtet haben soll, flohen viele Einwohner Ayutthayas heimlich.
Am Abend des 7. April 1767 fiel Ayutthaya, ein Teil der Stadtmauer stürzte ein und die Birmanen konnten die Stadt stürmen.

Bang Rachan or Bang Raja

Thai Kämpfer (Filmszene aus dem Kinofilm Bang Rachan (von 2000)

Der Kinofilm Bang Rajan, oder warum Ayutthaya vernichtet wurde.

Die Thai sind stolz auf ihre heroischen Vorfahren und drehten bereits mehrere Filme über den Untergang Ayutthayas. In jedem dieser Filme waren die Thai die mutigen und verwegenen Kämpfer.

Tempel und Paläste wurden geplündert und in Brand gesetzt, Kunstschätze und Büchereien, ebenso wie die Archive mit historische Aufzeichnungen wurden vernichtet. Vor der riesigen Buddha-Statue des Phra Sri Sanphet wurden tagelang Feuer geschürt, um das Gold zu schmelzen, aus dem die Figur hergestellt war. Größere Kanonen, auf die die Siamesen so stolz gewesen waren, wurden im Fluss versenkt. Alle Menschen, wobei besonderer Augenmerk auf Künstler und Handwerker gelegt wurde, wurden von den Siegern zusammen getrieben und nach Burma verschleppt, wo allerdings nur wenige ankamen.
Schließlich war die große Stadt völlig menschenleer.

Die mehr als vierhundert jährige Geschichte Ayutthayas nahm damit ein Ende. Ayutthaya wurde seiner gesamten Führung beraubt: Der König war während seiner Flucht vor den Burmesen ums Leben gekommen, sein Thronfolger war bereits im Kampf gefallen. Das Land verfiel ins Chaos und die Lage der Bevölkerung war katastrophal.
Provinzen erklärten unter abtrünnigen militärischen Führern, machthungrigen Mönchen oder jüngeren Mitgliedern der königlichen Familie die Selbstständigkeit. General Paya Taksin, der spätere König Taksin, wusste jedoch mit geschickter Diplomatie und dem Aufbau einer starken Armee die drohende burmesische Unterwerfung zu verhindern.

Innerhalb kurzer Zeit bildete Taksin eine schlagkräftige Armee und kehrte nach Ayutthaya zurück, um die kleine Besatzungstruppe der Birmanen auszuschalten. Das hatte mehr symbolischen Wert, verstärkte auch das Charisma, mit dem Taksin seine Ziele zu erreichen vermochte.
Taksin musste sich nach einer neuen Hauptstadt umsehen, die strategisch möglichst günstig lag und einen starken Außenhandel begünstigen konnte. Er fand das kleine Städtchen Thonburi am rechten Ufer des Maenam Chao Phraya.

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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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2 Antworten auf Thailands Geschichte – Teil II

  1. Ein Freund hat mir deinen Blog gerade empfohlen und dann hatte ich gedacht schaue ich doch einmal vorbei. Und ich muss sagen er gefaellt mir richtig gut, ich glaube er koennte zu einen meiner Stammblogs werden. Echt ein Interessanter Post und ich hoffe da bekomme ich noch mehr von zu Lesen. Danke !!

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