Thailand im politischen Wandel

Diktator Sarit Thanarat

Diktator Sarit Thanarat

Im Jahre 1948 wurde die regierende Demokratische Partei wieder gestürzt, und Marschall Phipun übernahm die Macht im Staate. Thailand näherte sich den USA an und entsandte, im Auftrag der Vereinten Nationen, thailändische Truppen in den Korea Krieg.
Der Diktator Phipun wurde wiederum von Sarit Thanarat gestürzt, welcher am 1. Januar 1958 die Macht übernahm. Thanarat verbot sämtliche politische Parteien in Thailand. 1959 gab es eine neue politische Verfassung, mit noch mehr Vollmachten für den Regierungschef.
Die Diktatoren in Thailand behielten die politische Macht in Ihren Reihen. Noch im Jahre 1968 erfolgte eine weitere Verfassungsreform, worin die Führer des Staates abermals mit mehr Macht ausgestattet wurden.
Sämtliche Wahlen, welche in Thailand abgehalten wurden, waren eine Farce und brachten im späteren Verlauf immer mehr Macht an das führende Militär.

Auf Grund der kommunistischen Machtübernahme in Laos, Vietnam und Kambodscha, nahm Thailand diplomatische Beziehungen zu China auf, dafür wurden die Beziehungen zu Taiwan abgebrochen.

Thailand hatte mit inneren Unruhen im eigenen Staat zu kämpfen. In der Provinz Nan gab es Auseinandersetzungen mit kommunistischen Rebellen und im Süden Thailands gab es erstmals sezessionistische Tendenzen in den Provinzen Yala, Narathiwat und Pattani.

Zu dieser Zeit gab es eine, speziell gegen den Kommunismus geschulte, Einsatztruppe des Militärs. Sämtliche Aufständische und anders denkende Menschen wurden als Kommunisten bezeichnet und inhaftiert oder im Kampf getötet.

Der 14. Oktober 1973, der 6. Oktober 1976 und der 18. Mai 1992 sind die geschichtlich wichtigsten Tage zur Demokratisierung Thailands.

Kampf für Demokratie

Zwischen 1963 und 1973 regierte in Thailand eine Militär Regierung unter Feldmarschall Thanom Kittikachon.

Feldmarschall Thanom Kittikachon

Feldmarschall Thanom Kittikachon

Am 17. November 1971 inszenierte der regierende Feldmarschall Thanom Kittikachon einen Militärputsch um sich dadurch als alleiniger Führer mehr Macht zu verschaffen. Thanom erklaerte das Kriegsrecht und löste das Parlament auf. Er rechtfertigte diesen Schritt mit der drohenden Machtübernahme durch die Kommunisten. Dabei waren zuvor nur Proteste der demokratischen Parteien sowie von Studenten organisiert worden.

Bis 1970 gab es nur sehr wenige Studenten in Thailand. 1961 waren 15.000 Studenten in 5 Universitäten des Landes eingeschrieben. Diese Studenten wurden meist nach Abschluss des Studiums in den Staatsdienst übernommen. Doch die Zahl der Studenten und Universitäten nahm zu. 1972 gab es etwa 100.000 Studenten in 17 Universitäten des Landes. Eine Beschäftigung der Studenten war nicht mehr gewährleistet. Die Verwaltungsbehörden des Staates waren bereits aufgebläht und überfüllt mit Beamten. Auf der anderen Seite war die wirtschaftliche Entwicklung in Thailand rückläufig.

Gleichzeitig hielt ein Neuer Lifestyle Einzug. Drogen, Prostitution und Korruption breitete sich in den Straßen der Städte aus. Hinzu kam die Abwertung der zuvor so sicher erschienenen Universitätsabschlüsse.

Im Jahre 1970 organisierten sich Studenten aus fünfzehn Universitäten und Hochschulen. Jedoch fühlten sich die politisch engagierten Studenten in der Minderheit und wollten zu diesem Zeitpunkt keinerlei politische Aktivitäten unterstützen. Erst 1972 als Thirayut Bunmee, vorsitzender der Studentenorganisation NSCT (Soon Klang Nisit Naksueksa Haeng Prathet Thai ) wurde, änderte sich die Situation drastisch. Die NSCT wurde zur führenden Studentenorganisation und koordinierte außerdem die Arbeit anderer Studentenaktivitäten.
Anfangs riefen die Studenten zum Boykott japanischer Produkte auf. Dieser kluge Zug des Protests erreichte die Öffentlichkeit. Außerdem wurde die Regierung mit ihrer Form der Kommerzialisierung in Frage gestellt. In Schriften wurde die Bevölkerung aufgeklärt wer für die sozialen Probleme in Thailand verantwortlich ist. Doch erst im Jahre 1973 rückte die Regierung direkt ins Zentrum der Kritik. Der Diktator Thanom geriet mehr und mehr in die Kritik der Öffentlichkeit. Im Juni 1973 wurden 9 Studenten von der Ramkhamhaeng Universität verwiesen, weil sie anscheinend eine Zeitschrift gegen die Regierung veröffentlichten. Die Studentenbewegung organisierte daraufhin einen Protestmarsch zum Monument der Demokratie in Bangkok. Doch die Proteste richteten sich nicht ausschließlich gegen die Entlassung der Studenten, sie richteten sich mehr und mehr gegen die Regierung im allgemeinen. Insgesamt waren etwa 50.000 Studenten bei dieser Demonstration, und die Studenten konnten erstmals ihrer Ideologie an die Öffentlichkeit bringen.

Bangkok 1973, Verhaftungen durch die Polizei

Bangkok 1973, Verhaftungen durch die Polizei und der Santiban

Von nun an organisierten sich die Studenten noch besser und formten einen öffentliche Opposition gegen die Nachrichtenzensur des Staates, indem sie eigene Zeitungen und Zeitschriften verlegten und herausbrachten. Die Zeitungen wurden an den Toren der Thammasat Universität an Studenten, aber auch an andere Leser, verkauft. Der Inhalt der Zeitungen und Zeitschriften war ein politisches Gemisch, angefangen bei kommunistischen Ideologien und Nationalismus, über satirische Darstellung der Regierung, bis hin zur Kritik am Japanischen und Amerikanischen Imperialismus. Außerdem wurden die Korruption, die Gewaltherrschaft der Politiker und die exzessive Zerstörung der Kunst und Kultur kritisiert.

Der thailändische Politik Wissenschaftler Prajak Kongkirati, sprach von einer kulturellen Revolution, welche sich in den Zeitungen und Zeitschriften wieder spiegelte.

Höhepunkt der Studentenbewegung im Oktober 1973

Im Oktober 1973 fand die Studentenbewegung ihren Höhepunkt. Die Polizei und die Santiban (Geheimdienst) verhaftete 12 Personen, darunter Studenten, Lehrer und Journalisten, mit der Begründung sie hätten gegen den Revolutionserlass Nr. 4 verstoßen, welcher besagt das es verboten ist wenn sich mehr als 5 Personen zu einem politischen Treffen vereinen.

Die Studenten organisierten sich erneut und veröffentlichen Flyer und Poster mit folgenden Inhalten.

  • Tränen berühren unser Herz, weil Thailand immer noch keine Verfassung hat.
  • Gebt die Macht wieder zurück an die Bevölkerung.
  • Befreie das Volk.
  • Das Volk will eine Verfassung.

Am 6. Oktober wurden Thirayut Bunmee und zehn weitere Studenten wegen der Veröffentlichung der o.g. Flyer verhaftet.

Von nun an eskalierte die Situation.

Bangkok 1973, Demonstration gegen das Diktatoren Regime

Bangkok 1973, Demonstration gegen das Diktatoren Regime

Während der nächsten Tage vereinigten sich 500.000 Studenten, Arbeiter und andere unterschiedliche Berufsgruppen im Zentrum des Widerstandes bei der Thammasat Universität am Sanam Luang in Bangkok. Eine Demonstration, gegen das Militär Regime, diesen Ausmaßes gab es niemals zuvor in der Geschichte Thailands. Dies Straßen rund um die Thammasat Universität waren verstopft. Und es wurden immer mehr Menschen. Sie kamen von allen Gesellschaftsschichten, von den Grundschulen, den Hochschulen und auch von privaten Schulen.

Am 12. Oktober stellten die Studentenführer der Regierung ein Ultimatum, worin sie der Regierung 24 Stunden Zeit gaben die inhaftierten Studenten und Journalisten frei zu lassen. Doch das Ultimatum wurde nicht erfüllt. Die Studenten riefen die Masse auf, die Nationalhymne und die Königshymne zu singen und zu beten. Die Masse bewegte sich vom Kampus der Universität zum Demokratie Mahnmal. Die öffentlichen Fernsehsender Kanal 4 und Kanal 7 berichteten über diese Demonstration, trotz des Verbotes der Regierung.
König Bhumibol Adulyadej lud zwei Führer der Demonstranten zu einer Audienz (16:20 Uhr bis 17:20 Uhr) in den Königspalast ein.
Die Regierung willigte unter diesem enormen Druck des Volkes auf die Forderungen der Studenten ein und wollte die inhaftierten Studenten frei lassen. Gegen 22:00 Uhr kam die Nachricht das andere Nicht Studenten Gruppen die Demonstration nutzten um Chaos zu kreieren.
Als um 23:30 Uhr bekannt wurde das die beiden abgesandten Führer der Demonstranten tot seien, geriet die Demonstration außer Kontrolle. Radikale Gruppen attackierten öffentliche Gebäude. Darunter auch das Büro für Publik Relation, welches zuvor schon falsche Information über die Demonstranten und ihre Ziele verbreitet hatte.
Schließlich griff die Polizei und die Armee in das Geschehen ein und eröffnete das Feuer auf die Demonstranten. Dabei wurden 77 Studenten erschossen.

Bangkok Demokratie Monument

Bangkok Demokratie Monument

Schließlich griff König Bhumibol Adulyadej ein um die Ruhe im Land wieder herzustellen. Er beorderte Thanom Kittikachon abzutreten und Thailand zu verlassen um die Situation zu beschwichtigen.

Die Militärdiktatur war vorerst beendet

Der 14. Oktober 1973 war der erste politische Aufstand der kleinen Leute (Pu Noi) gegen ein Militärregime. Und dieser Aufstand war erfolgreich.

Die Bevölkerung hatte nun den Mut noch mehr politischen Veränderungen zu fordern. Es formten sich mehrere politische Gruppen und Parteien. Linke Gruppen, liberale Gruppen und Gruppen welche eine Arbeiterreform unterstützten. International wollte sich Thailand nicht in den Vietnam Krieg hineinziehen lassen und die westliche Politik sollte keinen Einfluss mehr in Thailand haben.

Der politisch rechte Flügel organisierte sich ebenfalls neu und organisierte sich auf die alten Strukturen stützend. Die Propaganda richtete sich gegen Kommunisten und behauptete die Führer der anderen Parteien seine keine Thai und würden chinesische und vietnamesische Ideologien unterstützen.

Thailand war in diesen Jahren ein instabiles Land in einer nicht stabilen Region. Mit jeder Neuigkeit über den Vietnamkrieg und der Revolution in Kambodscha gewann die Propaganda des rechten Flügels mehr und mehr Anhänger.


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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien – und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.

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Eine Antwort auf Thailand im politischen Wandel

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