Mehr Qualität statt Quantität

Premierminister Abhisit hat die TAT (Tourism Authority of Thailand) und die privaten Geschäftsleute der Tourist Industrie dazu aufgefordert ihre Zielausrichtung zu korrigieren, indem sie das Augenmerk auf eine Neue Zielgruppe legen.

Anstatt wie bisher die große Masse mit Billigpreisen anzusprechen, soll das Augenmerk nunmehr auf Qualitätstouristen gelegt werden. Diese Maßnahme würde mehr Geld in die Kassen spülen.

Die Touristik Industrie ist ein der wichtigsten Einnahmequellen der thailändischen Wirtschaft und generierte einen Umsatz von 585 Millionen Baht aus 15,8 Millionen Besuchern.

Höchstwahrscheinlich habe ich mich verrechnet, denn diese Zahlen würden bedeuten das jeder Tourist im Durchschnitt 37.- Baht in Thailand ausgegeben hat. Das erscheint mir sehr gering und nicht einmal die sparsamen Rucksacktouristen kommen mit solch einem Betrag durch Thailand (siehe auch den Artikel Reisende ohne Respekt).

Die vorstehenden Zahlen stellen, trotz der politisch anhaltenden Unruhen im Land, einen neuen Besucherrekord dar.
Abhisit verkündete ein Wachstum von 7,5 Prozent, und der Gesamtumsatz stieg um 11 Prozent. Er meinte außerdem, dass Thailand mit diesen Zuwächsen in 10 Jahren doppelt so viele Touristen empfangen würde.
Trotz allem, die pro Kopf Ausgaben der Besucher sanken. Als Gegenmaßnahme empfahl Herr Abhisit, den Fokus auf Qualitätstouristen zu legen.

Bericht aus der Nation 3. März 2011 Focus on quality, not quantity, urges Abhisit

Ein offener Brief an Premierminister Abhisit

Lieber Herr Premierminister Abhisit,

offener Brief

Sind Sie sich sicher was die oben genannten Zahlen aussagen. Ich denke die Zahlen sagen nur aus wie viel Geld in den offiziellen Kassen landet. Diese Zahlen sind durchaus kein Spiegel und erst recht keine Grundlage.

Die Schaffung von Qualität Tourismus ist keine neue Idee in der Branche. Vielmehr haben Ihre Vorgänger dieses Ziel ebenso verfolgt. Und ehrlich gesagt klingt das gut und viel versprechend, also halten Sie daran fest.

Doch nun entsteht ein Problem, was passiert mit den unendlich vielen kleinen Geschäftsleuten, den kleinen familiäreren Guesthäusern und natürlich mit all den vielen Straßenhändlern? Ein Qualitätstourist möchte auch Qualität erhalten, und nicht nur sein Geld in Thailand ausgeben. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es keine oder nur sehr selten eine gewisse "Qualität" in den oben genannten Gruppen. Es ist vielmehr die natürliche, selbstverständliche und hilfsbereite Art der thailändischen Geschäftsleute, die durch ihr persönliches Verhalten ihr Geschäft am laufen halten. Der Markt selbst trennt die Spreu vom Weizen.

Die TAT hingegen denkt noch nicht einmal darüber nach, gewisse historische Anlagen mit englischen Erklärungen zu versehen. Sehr einseitige Qualität würde ich sagen. Der kleine Betrieb hingegen versucht den Aufenthalt des Besuchers so angenehm wie möglich zu gestalten. Sei es mit falschen und fragwürdigen Übersetzungen oder aber mit dem besten thailändischen Bemühen einen perfekten Service zu bieten.

Die TAT fokussiert nur auf neue Besucher, sie versucht immer mehr Touristen aus den exotischsten Ländern zu bekommen. Dafür will die TAT Werbekampagnen in Afrika, Russland und Indonesien starten. Sicherlich gehören diese Länder zu den Einkommen stärkeren 😉
Vielleicht helfen der TAT diese Zahlen, den bereits seit 2008 gibt es einen enormen Zuwachs an russischen Touristen:

Besucher aus Russland

20.000 russische Besucher kamen im Juli 2010, das entsprach einem Zuwachs von 54 Prozent. Während der ersten 7 Monate im Jahr 2010 kamen 325.000 Russen nach Thailand (164.000 russische Besucher waren es im gleichen Zeitraum im Jahr 2009). Ein Zuwachs von rund 80 Prozent innerhalb eines Jahres. Was will man mehr?

Bei Besuchern aus Europa hingegen verbuchte die ATTA (Association of Thai Travel Agents) einen Rückgang von ca. 30 Prozent im gleichen Zeitraum. Und im 5 Jahres Rückblick nahmen die Besucherzahlen um 23 Prozent ab.

Mr. Prakit (President der Thai Hotel Association) erkannte das Problem. Seiner Meinung nach sollte eine gewisse politische Stabilität wieder hergestellt werden, denn der Tourismus aus den bisherigen wichtigsten Märkten wie etwa Japan, UK, Frankreich und Italien ist immer noch unter den Durchschnittszahlen. Im letzten Jahr hatten die thailändischen Hotels Umsatzeinbrüche, auch wegen den politischen Unruhen in Thailand.

Gerade die Besucher aus Japan, UK, Frankreich und Italien haben Thailand als Reiseziel populär gemacht. Diese Besucher brauchen auch kein kostenloses Touristvisa, denn wenn einmal der Gedanke, Thailand als Reiseziel zu buchen feststeht, sind die Kosten für das Visa eher zweitrangig.

Kostenlose Visa sind bei einkommensschwachen Menschen durchaus ein Argument. Doch bringen diese Touristen tatsächlich mehr Geld in die Kassen der thailändischen Wirtschaft?
Sicherlich geben auch diese Touristen Geld aus, aber doch eher in der zuvor genannten Zielgruppe.

Sie sollten deshalb darüber nachdenken, die Thailand Besucher eher mit guter thailändischer Kultur zu verwöhnen, als Wege zu finden, wie man diese Touristen besser zur Kasse beten kann.
Dazu gehört auch Qualität, und Qualität kostet einfach Geld.

Ich bin mir sicher, wenn die thailändische Regierung gewisse Standards einführt und auch durchsetzt, wird in Thailand wieder mehr Geld ausgegeben. Und bis dahin darf sich Thailand mit den Billigtouristen abgeben.

Nachwort

Ein ehemaliger thailändischer Premierminister, hatte wie schon erwähnt die selben Ideen wie Herr Abhisit heute. Das hat dazu geführt das Touristen mehr bezahlen als Einheimische. In gewissen Bereichen ist das durchaus nachvollziehbar, doch leider hat sich die Gepflogenheit auch auf den Straßen und Märkten Thailands ausgebreitet.
Diese Art einen Thailand Reisenden zu behandeln, führt zu einer gewissen Unsicherheit bei den Besuchern, und anstatt bereitwillig zu bezahlen, führt es immer häufiger zu einer Unzufriedenheit bei den Touristen. Das Fazit daraus ist, das diese Besucher ihr Geld dann doch lieber in Laos und Kambodscha ausgeben, anstatt in dem - bisher - besser entwickelten Thailand.

Doch das kann sich ändern, wenn nämlich die breite Masse der Rucksacktouristen über Laos und Kambodscha herfällt, folgt auch schon bald der Qualitätstourist. Und das würde Bangkok's Suvarnabhumi Airport endgültig zur Drehscheibe Süd Ost Asiens degradieren, und 37.- Baht Ausgabe pro Kopf währen durchaus realistisch.

Die freundliche Art der thailändischen Bevölkerung ist das größte Marktpotenzial welches Thailand besitzt. Vielleicht sollte der Fokus eher darauf eingestellt werden.

Dann fällt den meisten Touristen das Geld ausgeben wieder etwas leichter 😉


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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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4 Antworten auf Mehr Qualität statt Quantität

  1. Pingback: Thailand-Nachrichten vom 09.03.11 Reise-Hinweis.de

  2. Markus sagt:

    Was der ehemalige PM Abhisit wohl geantwortet hätte, wenn er den Brief gefunden und verstanden hätte? 😉

  3. Markus sagt:

    Nur nicht so bescheiden… 😉

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