Von Chiang Mai nach Nan – 6

Eine Motorradreise quer durch den Norden Thailands

7. Tag: Nan

Von meinem Haus bis zur Provinzhauptstadt Nan sind es ungefähr 180 km. Dies ist die kürzere Strecke und führt über die Städte Pong und Chiang Muang nach Nan. Ich weiß das diese Gegend an die Wälder von Chun angrenzt und hoffe auf dieser Strecke einem landschaftlichen Vergnügen zu frönen. Doch leider war dem nicht so, meine ausgesuchte Strecke verfehlte knapp die Waldgebiete von Chun und außer ein paar schönen Bergstrecken ließ diese Gegend für mein verwöhntes Auge fast alles vermissen. Reisfelder, Obstplantagen und kleinere Dörfer waren alles was ich zu sehen bekam. Jeder ausgeschriebene Abzweig zu einem Wasserfall oder einer Höhle erschien mir als nicht erachtenswert. Und so war ich bereits um 13:00 Uhr nach nur vier Stunden Fahrt in Nan angekommen. Ich ärgerte mich ein wenig darüber, dass ich nicht doch von Phayao direkt nach Nan gefahren war, und so die schönere Strecke gehabt hätte, musste mich aber gleichzeitig maß regeln, da ich ja sonst die schönen Tage mit meinen Freunden vermisst hätte.

Nan ist bekannt wegen der vielen Teak Wälder und wegen Thailands letzten Nomaden den Phytong Luang. Mein Interesse galt beidem, denn vor 15 Jahren hatte ich diese Provinz schon einmal besucht und war beeindruckt. Natürlich fuhr ich sofort in das Gebiet wo die Phytong Luang zu finden sind und eine weitere Enttäuschung machte sich breit. Aus den einstigen Nomaden und Waldmenschen sind arme, gebrochene Thai – Bergmenschen geworden. Keine Zugehörigkeit zu den Thais und keine zu der die Phytong Luang umgebene Zivilisation. Traurig schaute ich in das Dorf welches entlang der Route 1091 lag und ein Gefühl der Scham überkam mich. Ich wollte hier nicht länger bleiben, ich fühlte mich schuldig, denn immerhin waren es Menschen wie ich die versuchten diesen Mythos der Waldmenschen zu bewaren, das für uns romantische Leben dieses Volkes aufrecht zu erhalten, und obwohl vor 15 Jahren nur noch 50 Phytong Luang als Nomaden lebten, sollte es in Gedanken und in unserer Vorstellung immer so sein. Doch diese idealistische Vorstellung und die somit verbundene Ausgliederung machte das Leben der Phytong Luang nicht einfacher, und aus heutiger Sicht war dies ein Fehler von uns allen. Denn hätten wir den Waldbewohnern die Möglichkeit gegeben sich auf natürlichem Wege weiter zu entwickeln, wäre das Dorf welches ich besuchte wohl fröhlicher und lebenslustiger.

Als ich in der Stadt Nan eintraf, erkannte ich diese nicht wieder. Die Stadt wuchs in alle vier Himmelsrichtungen, und wäre da nicht der Fluss als Orientierungshilfe gewesen, hätte ich mich nicht zurechtgefunden. Das Leben war in vollem Gange, Menschen überall und Autos in jeder Preisklasse bahnten sich ihren Weg durch die belebten Straßen.

Es war sonnig heiß an diesem Nachmittag und ich wollte so schnell wie möglich ein Hotel oder Guesthaus finden, um mir den Frust der mich bei den Phytong Luang überkam, mit einer Dusche von der Haut zu spülen.

Die Stadt Nan ist gewachsen. Ähnlich einem Kind welches man seit Jahren nicht gesehen hat. Das Leben ist immer noch langsamer als in anderen Provinzen Thailands, doch auch hier hat der Fortschritt Einzug gehalten.

Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich Nan zu einem isolierten Königreich. Später geriet es unter den Einfluss der Reiche von Sukhothai und Lanna. Nach fast 200 jähriger burmesischer Herrschaft wurde Nan 1788 zum Vasallenstaat von Bangkok, behielt aber trotzdem seine Autonomie bis es 1931 schließlich Thailand eingegliedert wurde.

Am Fluss gibt es neben dem obligatorischen Nachtmarkt kleinere Garküchen an denen man gemütlich sein Abendessen zu sich nehmen kann. Traditionell werden jedes Jahr im Oktober im Nan Fluss Bootsrennen ausgerichtet. Bei diesen dürfen andere Wettteilnehmer gerammt werden. Die Boote sind gewaltig und sind 20 m bis 30 m lang. Leider habe ich die Wettkämpfe verpasst. Zu einem späteren Zeitpunk werde ich einen gesonderten Bericht verfassen. Erwähnenswert erscheint mir auch noch der Tempel Phumin welcher einzigartige Murals aus der Geschichte Buddhas beherbergt. Die Wandgemälde

Stammen aus dem 19. Jahrhundert von Thai Lue Künstlern. Thai Lue gibt es in und um Nan sehr viele. Die Dörfer sind fast ausschließlich von Thai Lue Menschen besiedelt. Auch der Baustil ist durch diese Kultur stark beeinflusst.

Die Thai Lue sind eine einer der ältesten Kulturen der Welt. Heute sprechen mehr als 90 Millionen Menschen verschiedenen Dialekte der Thai Lue Sprache und die Thai Lue stellen insgesamt 80 verschiedene ethnische Gruppen in Thailand. Im Jahr 137 n Chr. Die Thai Noi sind dem Mekong entlang nach Süden gezogen, bis in die Provinz Yunnan in Süd China und sogar bis nach Chiang Saen. Die unterschiedlichen Thaigruppen spalteten sich und siedelten im Norden Thailands, Burma, Laos, Shan State, ja sogar bis Asam im Norden Indiens. Es wird angenommen, das die heutigen Thais dieser Gruppe entstammen.

Handwerklich sind die Thai Lue sehr geschickt, und diese Handwerkstradition lebt bis in die heutige Zeit weiter. Seidenherstellung und Holzarbeiten sind die wohl am höchsten geschätzten Fertigkeiten der Thai Lue.

Leider wurde auch in der Provinz Nan erheblicher Raubbau in den Bergen betrieben. Die einstigen großartigen Teakwälder sind fast nicht mehr zu finden.

Es war sehr interessant, Nan ein zweites Mal zu besuchen, und ich werde sicherlich in ein paar Jahren Nan wieder besuchen. Aber für den Moment denke ich, je weiter ich nach Osten gefahren bin, desto ärmer wurde das Land. Arm an natürlichen Ressourcen und benachteiligt in der entwickelten Infrastruktur.
Aber wenn man nie dort gewesen ist, weiß man nie wie es wirklich ist.


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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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