Von Chiang Mai nach Nan – 5

Eine Motorradreise quer durch den Norden Thailands

6. Tag: Ein Ausflug zum Phu Je Fah

Der frei Tag in meinem Haus hatte mir und meinem Motorrad sehr gut getan. Mein Po war schon lange nicht mehr so strapaziert worden wie die letzten Tage und auch mein Motorrad konnte einen Ölwechsel und kleinere Wartungsarbeiten vertragen.

Mit neuen Kräften und Tatendrang fuhr ich die Strecke zur laotischen Berggrenze. Der Tag war sonnig und die Brise die mir während der fahrt um die Nase wehte erfrischend. Entlang unzähliger Reisfelder und durch kleinere Siedlungen zog sich mein Weg hinauf zu der legendären und beliebten Spitze des Phu Je Fah. Dort wo der Mekong seine Kurve nach Laos schlägt, wo die Wolken tiefer hängen als das Land auf dem man steht und wo im Winter Temperaturen um 0 Grad herrschen, findet man die innere Ruhe und Geborgenheit. Thais lieben es im Winter diesen Ort aufzusuchen und oben auf den Höhen zu übernachten. Ein Picknick auf der Spitze des Berges ist schon fast einem Ritual zu den Göttern gleichzusetzen, so begehrt ist ein Ausflugstag zum Phu Je Fah bei den Thais. Auch ich fühle die Ruhe der Landschaft in mir und erreiche schließlich die oberste Plattform des Berges.

Leider hat das Wetter umgeschlagen, und kurz nachdem ich mein Motorrad abgestellt hatte ergoss sich ein Regenschauer über mich und den wenigen Menschen auf dem Parkplatz.

Zum Glück gibt es Hütten zum unterstellen und schon bald komme ich mit den drei Verkäuferinnen, welche ihre Waren anbieten ins Gespräch. Eine heiße Tasse löslichen Kaffees vertreibt mir die Zeit und gibt mir neuen Mut zu warten bis der Regenschauer aufhört.

Die Wolken schweben zwischen mir und dem Tal auf das ich hinab blicken wollte als ich schließlich die Bergspitze erreiche. Ich selbst bin die letzten 30 Minuten durch den Nebel hindurch auf den Phu Je Fah hinaufgegangen. Die Luft fühlte sich so dünn an als würde ich den Mount Everest besteigen obwohl ich nur auf 1.900 Meter über dem Meer wanderte. Als ich den überhängenden Felsen erreiche und ins Tal hinunter schaute kam mir das Lied „Über den Wolken“ von Reinhard Mai in den Sinn. Die Freiheit hier oben schien wirklich grenzenlos auch wenn ich nicht in einem Flugzeug saß.

Nach zwei einsamen Stunden, ohne einer Menschenseele zu begegnen war ich zurück auf dem Parkplatz, wo immer noch die Hmong Frauen versuchten Ihre Waren zu verkaufen. Natürlich an mich, denn ich war schließlich der einzigste Besucher an diesem Nachmittag. Also bestellte ich bei der zweiten Frau eine Flasche Wasser und bei der Dritten Hmong Frau ein paar Kekse zum knabbern. Ich unterhalte mich nochmals mit ihnen und erfahre dabei, dass unten im Dorf eine traditionelle Schmiede ist, welche immer noch Werkzeuge herstellt.

In der Hoffnung auch alte Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände zu finden, mache ich mich auf den Weg. Meine Gedanken schwirren zu den inzwischen weit hinten im Gehirn abgelegten Wissen, dass Hmong Männer bereits zu Geburt ein Metallstück bekommen, um daraus später ihr eigenes Werkzeug zu bauen. Außerdem ist es ja allgemein bekannt in Thailand, dass Hmong Männer gute Werkzeug- und Waffenschmiede sind.

Als ich die Schmiede erreiche verfliegt meine romantische Vorstellung einer traditionellen Fertigungsstätte sofort. Etwa 12 Betonpfeiler tragen das Dach welches vor Regen schützen soll. Darunter befinden sich gemauerte Schmiedeöfen worauf das Metallstück heiß gemacht wird. Zwei Hmong Männer arbeiten an den Öfen und schmieden das Metallstück, zwei weitere Hmong Männer erledigen die Feinarbeiten.

Da sich all das vor meinem Augen abspielt, verfliegt die Enttäuschung über die nicht vorhandene traditionelle Arbeitsstätte und weicht dem Interesse an der eigentlichen Fertigung der Werkzeuge. An diesem Tag werden Messer geschmiedet und ich darf diesen Vorgang filmen.

Ausschnitte habe ich hier zusammengestellt.

Ich weiß das diese Werkzeuge nur für das Leben auf dem Land hergestellt werden. Die Messer sind schwer und es ist einfach mit einem Hieb einen Bambus zu fällen oder einen arm dicken Ast abzuhacken. Thais sind in der Lage, nur mit einem solchen Messer bewaffnet, eine Bambushütte zu bauen. Unter diesem Aspekt erscheint mir diese Arbeit als sehr wertvoll und lässt die herkömmlichen Küchenmesser wie Spielzeug wirken. Auch der Preis von 300.- Baht erscheint mir nicht zu teuer, denn schließlich benötigt es einen ganzen Tag bis ein Messer fertiggestellt ist.

Ich setze meine Fahrt fort und erreiche am Fuß des Berges den Wasserfall Phu Sang. Dieser Wasserfall entspringt aus einer heißen Quelle etwas oberhalb. Von der Quelle bis zum Wasserfall sind es nur ein paar hundert Meter, so dass das Wasser noch warm ist wenn es in den vorbei laufenden Fluss stürzt. An Feiertagen und vor allem zum thailändischem Neujahr tummeln sich hier Unmengen von Menschen, doch an diesem Tag treffe ich außer ein paar Jugendlichen kaum Besucher. Gerne wäre ich zu einer Dusche im warmen Wasserfall bereit gewesen, doch leider hatte ich weder Badehose noch Handtuch dabei und so musste ich mich ohne Erfrischung auf den Heimweg nach Baan Jam Khrai begeben.

Auf den letzten paar Kilometern vor meiner Ankunft, schwirrten meine Gedanken schon über der nächsten Etappe - die Weiterfahrt nach Nan.


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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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2 Antworten auf Von Chiang Mai nach Nan – 5

  1. Reiner Domnik sagt:

    Hey JoJo!
    Mein Name ist Reiner Domnik, bin 50 Jahre jung und wohne in Süddeutschland.
    Ich fahre schon seit vielen Jahren Motorrad (GSX 1200 & DRZ 400). Anfang September 2012 werde ich mit meiner Partnerin nach Chiang Mai kommen.
    Wir haben einige Monate Zeit in Thailand, um unter anderem unseren kulturellen, sprachlichen und sportlichen Horizont ein wenig zu erweitern.
    Als eingefleischter Mopedfahrer hat mich natürlich auch interessiert, welche Möglichkeiten es in Thailand zum Motorrad fahren gibt. Dabei habe ich bereits Kontakt zum hiesigen Motorradclub in Chiang Mai aufgenommen.
    Du selbst scheinst immer mal wieder mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Kennst du jemanden in Chiang Mai, bei dem sich eine Motorradausleihe in einem vernünftigen Kostenrahmen bewegt und es voraussichtlich kein Risiko darstellt übers Ohr gehauen zu werden?
    Möglicherweise hättest du ja selbst mal wieder Lust eine kleineMotorradtour zu unternehmen, bei der meine Partnerin und ich (Straßentour) dich begleiten könnten. Wer weiß?
    (War einfach eine spontane Eingebung- und der lasse ich öfters freien Lauf).

    Würde mich über eine Rückmeldung freuen.

    Viele Grüße aus Süddeutschland

    Reiner Domnik

    • JoJo sagt:

      Hallo Rainer,
      Ich fahre immer wieder und regelmäßig längere Touren mit dem Motorrad. Meist auf einer Honda Phantom. Ich mag es einfach nur zu cruisen und wann immer ich will anzuhalten, die Landschaft zu genießen oder einem Ereignis beiwohnen.
      Die etablierten Motorrad Verleiher, entlang der Mun Muang Road sind bisher noch fair geblieben. Fast unmittelbar am Tapae Gate befinden sich mehrere Verleiher zu Preisen um die 800.- THB (20 Euro) pro Tag. Das ist dann ebenfalls eine Phantom, CBR oder D-Tracker. Alle Motorräder haben so um die 250 ccm. Klingt in deutschen Ohren als zu wenig, ist aber in Thailand ausreichend, sicher und einfach zu fahren.
      Für eine längere Tour kann man mich immer begeistern, selbst wenn ich diese schon gefahren bin. Deshalb nehme einfach Kontakt zu mir auf sobald Du in Chiang Mai bist, wir treffen uns auf ein Bier oder einen Kaffee – je nach Tageszeit 😉 und planen in kleiner Runde eine interessante Ausfahrt.

      Ich würde mich freuen.
      Bis September

      JoJo

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