Von Chiang Mai nach Nan – 3

Eine Motorradreise quer durch den Norden Thailands

3. Tag: von Lampang nach Phayao

Der Highway in Richtung Phayao führt durch eine bergige, teilweise dicht bewaldete Gegend. Es macht Spaß diese Strecke zu fahren, und ich bemerke das nur wenig Fahrzeuge diesen Highway benutzen. Ich entscheide mich auf dieser Strecke zwei weniger bekannte Punkte aufzusuchen. Dafür liegen beide Stationen fast direkt auf meiner Route.

Pratu Pha

Als erstes besuchte ich den Schrein „Pratu Pha“. Diese heilige Ort ist entstanden als im Jahre 1988 Capt. Chukichat Chukiettakul, bei einer militärischen Übung der thailändischen Gebirgsjäger, die Zeichen an der Felswand entdeckte und erkannte. 1998 wurden schließlich offizielle Forschungen durch das Museum der feinen Künste vorgenommen. Bei den Ausgrabungen wurden menschliche Skelette und Haushaltsgeräte entdeckt. Die Funde gelten als wichtigen Hinweis für die kulturelle Entwicklung der thailändischen Menschheit.
Wie es in Thailand üblich ist wurde dieser Ort sofort zum spirituellen Ort umgewandelt. Geisterhäuschen wurden aufgestellt, und Schreine errichtet. Die alten Bäume wurden mit geweihten Tüchern umwickelt und Magier kommen um für die Geister zu beten. Ein paar Händler verkaufen Kräuter und Gewürze, da diese aus diesem Wald besondere Wirkung zeigen.
Als ich dort ankam, wusste ich zunächst nicht wo ich mich hin begeben sollte. Keine Zeichen zu den Wandmalereien, oder sonst eine Beschreibung. Der große Parkplatz war bis auf zwei bis drei Fahrzeuge leer, die Verkaufsstände hatten keine Kunden, nur hin und wieder hörte ich das Hupen vorbeifahrender Autos.
Immer wenn Thais an einem spirituellen Ort vorbei fahren, hupen sie um die Geister zu Grüßen und sie erhalten dafür eine sichere Fahrt.
Ich schlug also einen beliebigen Weg in Richtung Felsen ein, da ich vermutete das hinter diesem Bambushain, die Ausgrabungen zu finden seien. Schon nach kurzer Zeit erreichte ich eine Höhle mit einer Lichtung davor. Ein riesiger Termitenhaufen stand vor dem Eingang und war von Mönchen ebenfalls mit einem heiligen Tuch umwickelt worden. Links und rechts davor befanden sich zwei Schreine um Geistern Opfergaben zu bringen. Vor dem linken großem Geisterhaus waren eine Frau und ein Mann damit beschäftigt die letzten Vorbereitungen für eine Geisterzeremonie zu treffen. Ich wollte diese Zeremonie nicht stören und machte deshalb keine Photos von den Menschen und ihrem Tun. Ich beschränkte mich auf das Beobachten und verhielt mich still. Die Zeremonie begann schon nach kurzer Zeit, und der Magier betete mit lauter Stimme zu der Gottheit Pavida, fast so als müsse er Pavida und die anderen Geister und Götter aufwecken. Die Frau wiederholte alle seine Worte, sie betete um Gesundheit und Wohlergehen. Das faszinierende daran war aber, das sämtliche Geister, aller Religionen angerufen wurden um dieser kleinen Gemeinschaft zu helfen. Gegen Ende der Zeremonie wurden Bambuspflöcke in die Erde geschlagen. Jeder Bambusstab war mit einen Namen des Geistes oder Gottes zu dem gebetet wurde beschriftet. Als schließlich der letzte Stab in die Erde getrieben wurde, kam die Aufmerksamkeit auf mich, und irgendwie schienen alle überglücklich das ich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt den Schrein besuchte und indirekt an der Zeremonie teilnahm. Es wurde mir mehrmals gedankt das ich der Zeremonie beiwohnte und der Ausdruck in ihren Gesichtern lies keinen Zweifel offen, dass sie es wirklich ernst meinten in ihrer Freude.

Nach diesem bewegenden Moment machte ich mich auf um um den Berg herum zu wandern. Denn auf der Rückseite des Berges waren die Felsmalereien. Glücklicherweise wurden Stufen in den Weg geschlagen, so dass der Aufstieg nicht schwer fiel. Schon bald erreichte ich die ersten prähistorischen Malereien, und ich kam zu allerlei gedanklichen Schlussfolgerungen, welche aber eben nur Vermutungen waren.
Leider konnte ich keine genaueren Informationen erhalten, und so kann ich auch nicht mehr darüber berichten. Aber ich habe eine kleine Photoserie darüber zusammengestellt.

Phathai Höhle

Etwa 10 km nördlich von Pratu Pha liegt die Höhle Phathai. Unterwegs hatte es etwas geregnet und als ich in diesem dichtem Waldgebiet ankam, war es sehr schwül und heiß zugleich. Im Park angekommen wurde ich sogleich von den Mitarbeitern der TAT (Tourist Authority Thailand) begrüßt, und mir wurde eine Broschüre in englischer Sprache ausgehändigt. Die Leute waren sehr freundlich, wen sollte es denn wundern, war ich auch der einzigste Besucher an diesem regnerisch, schwülen und heißen Tag.

Die Phathai Höhle befindet sich in einem Kalkstein Gebirge und ist ca. 9.370.000 Jahre alt. Die Tiefe der Höhle beträgt 1.150 Meter, leider kann man aber nur bis zu 405 Metern vordringen.

Vor der Höhle befindet sich eine Stupa welche die spirituelle Macht der Höhle widerspiegeln soll. Thais glauben, dass Geister und Götter in Höhlen leben um sich darin von dem Treiben der Menschen zurückzuziehen. Aus diesem Grund meditieren Mönche und Jogis oftmals in Höhlen.

Der Führer der Höhle erklärte mir, dass der Aufstieg zum Eingang nur 200 Meter beträgt, mir kam es allerdings vor als meinte er 200 Höhenmeter. Die Stufen welche zum Eingang führten waren ungleichmäßig hoch in den Fels geschlagen worden und schienen in der Schwüle des Tages kein Ende nehmen zu wollen. Schließlich erreichten wir gemeinsam den Eingang, und zu meiner Befriedigung musste mein Führer genauso schnaufen und schwitzen wie ich.
Ein großer sitzender Buddha begrüßte uns am Eingang. Mir fiel auf, dass die Handhaltung der Statue sich von den meisten Figuren unterschied. Ich fragte daraufhin meinen Führer und mir wurde erklärt das dies eine Figur aus Burma sei, welch unter der Anleitung der englischen Kolonialherren hergestellt wurde. Wahrscheinlich konnte ich aus diesem Grunde keine Erklärungen zu dieser Mudrah finden.

Wir betraten die Höhle und ich durfte die Schönheit der Stalagmiten und der Stalaktiten bewundern. Wir trafen auch auf ein paar Höhlenbewohner. Die Schlangen ließen sich gerne fotografieren, nur die Fledermäuse wollten in ihrer Dunkelheit alleine bleiben und flüchteten vor dem Licht der Taschenlampen.

In der Zwischenzeit hatte es draußen wieder zu regnen begonnen, und ich kam in den Genuss das durchsickern des Wassers zu erleben. Die Steine schienen zu leben, denn sie begannen in der Dunkelheit zu funkeln und die spärliche Höhlenbeleuchtung spiegelte sich in den Felswänden wieder. Nach etwa 300 Metern erreichten wir einen riesigen Raum in dem es unheimlich stark stank. Der Führer erklärte mir das dieser Raum das Schlafzimmer von ungefähr 5.000 Fledermäusen sei und der Gestank vom Kot der fliegenden Jägern käme. Wir beschlossen umzukehren, denn neben dem Gestank zu ertragen hätten wir auch noch im Fledermauskot waten müssen und dass wollte ich meinem Führer und mir ersparen.

Kurz nachdem wir den Ausgang der Höhle erreicht hatten, lies der Regen nach und die Sonne blitzte durch das Blätterdach des Waldes. Wir begingen den Abstieg und da ich keinen Eintritt bezahlen musste, die Führung umsonst war und mein Führer sich alle Mühe gab mir alles genau zu erklären, gab ich ein großzügiges Trinkgeld und machte mich auf meinen weiteren Weg der in der Stadt Ngau enden sollte.

Leider war dem nicht so. Mein Plan war in der kleinen Bezirksstadt Ngau zu übernachten und am nächsten Tag in die Provinz Nan zu reisen. Die Suche nach einer bescheidenen Unterkunft erwies sich als Odyssee, denn irgendwie schienen die Hotelbetreiber den Realitäten enteilt zu sein. Entweder waren die Angebote zu teuer oder zu schmutzig, und so entschloss ich mich noch 70 km bis Phayao zu fahren, um dort, nach einem langen, regnerischen und schwülen Tag, in einem komfortablem Hotel eine heiße Dusche und ein schönes, weiches Bett zu bekommen.


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Über JoJo

Thailand, das Land der Freien - und ich habe das Glück seit 20 Jahren mit diesen freundlichen Menschen zu leben.
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